Berlin : Verständigung statt Gewalt Talkrunde zur Beteiligung von Türken an 1.-Mai-Krawallen

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Die traditionellen Krawalle am 1. Mai gehen zwar ursächlich auf linksautonome Gruppen zurück. Doch auch Türken, vor allem jugendliche, beteiligen sich regelmäßig an der Randale in ihrem Kiez. Grund dafür seien vor allem Kommunikationsprobleme, behauptete Polizeihauptkommissar Wolfgang Dietz am Montag in der Fernsehtalkshow „Mediapolit“ auf TD1. Im Studio des türkischen Senders an der Pankstraße diskutierten Polizisten, Studenten und Politiker auf deutsch über das Gewaltritual am 1. Mai.

„Wenn mehr türkische Polizisten die Demos in Kreuzberg begleiteten, wäre vieles leichter“, meint Dietz. Beleidigungen würden so nicht überbewertet werden, Polizeibeamte könnten sie besser an sich abprallen lassen. Mit heftigem Kopfnicken wird die These von seinen drei jungen türkischen Kollegen bejaht. „Wichtig ist aber auch die Ablenkung“, erklärt Polizist Bülent K. Sportveranstaltungen, Künstlerworkshops und Konzerte seien dringend nötig, um die Jugendlichen während der Unruhen von der Straße zu holen und ihnen Alternativen zur Gewalt zu bieten. So wird beispielsweise am 1. Mai ein OpenAir-Konzert am Mariannenplatz stattfinden. Der Eintritt ist frei. Finanziert wird die Veranstaltung mit einem Teil der 100 000 Euro, die von der Stadt für Anti- Gewaltprogramme bereitgestellt werden.

Der Grünen-Abgeordnete Özcan Mutlu warnt vor der Ursachenverdrängung der Krawalle. „Wenn die Wurzeln der Unzufriedenheit nicht bekämpft werden, kommt es immer wieder zu Gewalt“, sagt der Politiker. Schließlich würden die Menschen gegen Armut, ungleiche Behandlung und Arbeitslosigkeit protestieren. Man müsse den Jugendlichen klar machen, dass sie zerstören, was auch ihnen gehört. Dies ginge nur durch Integration in die eigene Umgebung. „Sprachverständigung und Freizeitworkshops sind nur der Anfang“, so Mutlu. Mit „Anti-Konflikt-Teams“ will die Polizei den Austausch zwischen den Fronten fördern. Die unbewaffneten, mit schwarzen Baseballcaps ausgerüsteten Beamten sollen auf die Jugendlichen zugehen und mit ihnen reden. avd

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