Berlin : Versteckte Kamera: Taxiräuber muss in Haft

Drei Jahre Gefängnis erhielt ein 19-Jähriger, der beim Überfall gefilmt wurde

Kerstin Gehrke

Ein junger Mann mit Gelfrisur, Brille, Ohrring und Jackett zieht eine Waffe. Er richtet die Pistole auf den Hals des Fahrers. Dem Opfer ist die Angst ins Gesicht geschrieben. Eine kleine Kamera fängt die Szene ein. Auch der Täter wird gut getroffen. Wenige Tage später kann er sich selbst davon überzeugen: Mit den Bildern fahndet die Polizei nach dem Taxiräuber – und kann bald einen Erfolg verbuchen.

Der Mann mit der Pistole ist Martin H., 19 Jahre alt. Als er gestern aus der Untersuchungshaft zum Prozess vorgeführt wird, erinnert nichts mehr an den auf den Fotos so kaltschnäuzig wirkenden Täter. Leicht gebückt und mit verquollenen Augen legt er ein Geständnis ab. „Ich musste die Operation für meinen Hund bezahlen“, sagt er. Sein Mischling sei mit einer krummen Pfote auf die Welt gekommen. „100 Euro wollte der Arzt“, jammert der Tierfreund. „Da habe ich mir Mut angetrunken und bin mit einem Kumpel losgezogen.“ Die Schreckschusswaffe in seiner Tasche sei aber nicht geladen gewesen.

Es war Dienstag, der 20. September. Gegen 0 Uhr 15 stiegen H. und ein zweiter Mann am Pariser Platz in ein Taxi. Sie wollten zum Hermannplatz. Am Ziel angekommen, zog Martin H. eine Pistole, forderte Geld. Der Taxifahrer gab ihm aus Angst 160 Euro. Für H. war das nicht genug. 23 Stunden später setzte er sich erneut in ein Taxi. Diesmal sollte es vom Roten Rathaus zur Donaustraße in Neukölln gehen. Als das Fahrzeug hielt, zog er erneut seine Waffe. Taxifahrer Gerd-Peter B. aber ließ sich nicht einschüchtern. Der 46-Jährige wies den Räuber auf die Überwachungskamera im Taxi hin, hupte außerdem. Da floh der Gangster ohne Beute.

Mit drei Fotos suchte die Polizei den Taxiräuber. Martin H. merkte, dass es eng wird. Er entschloss sich, zur Polizei zu gehen. Vorher allerdings besuchte er einen Friseur. Er ließ sich die Haare kurz schneiden und blondieren. Gegenüber den Beamten tat er dann so, als wollte er lediglich einer unangenehmen Verwechslung vorbeugen. „Ich sehe dem Täter zwar sehr ähnlich, aber ich war das nicht“, versicherte er. Dennoch musste er bleiben. Nach kurzer Zeit soll er die beiden Taten gestanden haben.

Seinen Richtern sagt er, die Sache mit den Überfällen sei zunächst eine „Scherzidee“ gewesen. Was an den Taten witzig sein soll, kann er allerdings nicht erklären. „Ehrlich – mir tut das tierisch Leid“, schluchzt er dann. Er weiß, dass auch sein Vorstrafenregister gegen ihn spricht: Diebstahl, Körperverletzung, Bedrohung. Seine Verteidigerin spricht dann noch von einer schweren Kindheit ihres Mandanten, der in verschiedenen Heimen aufgewachsen ist.

Die Richter glauben H., dass die Waffe nicht geladen war. Sie gehen auch davon aus, dass er die Taten eher spontan beging. Aber sie halten ihm vor: „Es sind schwere Straftaten – Überfall auf ein Taxi kommt gleich nach Bankraub.“ Sie befinden, dass auf Martin H. noch Jugendstrafrecht anzuwenden sei. „Aber es ist eine umfassende Gesamterziehung erforderlich.“ Die soll im Gefängnis erfolgen. Gegen den Taxiräuber werden drei Jahre Haft verhängt.

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