Verträglichkeit : Das große Grummeln

Milch, Brot, Früchte, Käse, Sauerkraut, Wein: Lecker, doch mancher Magen spielt verrückt.

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Foto: Mike Wolff
Foto: Mike Wolff

Von Nahrungsmittelunverträglichkeit sprechen Mediziner nur, wenn Gruppen von Menschen Lebensmittel nicht vertragen, die anderen gut bekommen. Die Gründe für eine Erkrankung sind allerdings ganz unterschiedlich.

LAKTOSEINTOLERANZ Wenn Milchzucker nicht vertragen wird, fehlt dem Organismus das Enzym Laktase, mit dessen Hilfe sonst im Dünndarm der Milchzucker „geknackt“ werden kann.

FRUCTOSEMAL-

ABSORPTION

Wenn Fruchtzucker schlecht vertragen wird, kann der Dünndarm weniger Fructose aufnehmen und ins Blut schleusen, als mit dem Essen und Getränken aufgenommen wird. Ein individuelles Problem: Betroffene müssen austesten, wie viel Fruchtzucker sie vertragen.

BIOGENE AMINE

In den letzten Jahren wurden vermehrt Probleme mit Biogenen Aminen diskutiert, das sind Stoffe wie Histamin oder Serotonin, die von Mikroorganismen aus kleinsten Bausteinen von Eiweißen, den Aminosäuren, gebildet und normalerweise in der Schleimhaut des Dünndarms abgebaut werden. Ist dieser Prozess verlangsamt, dann können unter Umständen einige reife Käse, aber auch Wein oder Sauerkraut unbekömmlich werden.

NAHRUNGSMITTELALLERGIE

In diesem Fall reagiert das körpereigene Immunsystem gegen vermeintlich gefährliche, an sich aber harmlose „Gegner“: Nach dem ersten Kontakt mit einem bestimmten Lebensmittel werden Antikörper gebildet, die dafür sorgen, dass bei jeder späteren Mahlzeit, die diesen Bestandteil enthält, Gewebehormone ausgeschüttet werden, die heftige Reaktionen in Gang setzen können – von Schwellungen und Hauterscheinungen bis zum gefürchteten und lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock. Von einer Kreuzallergie sprechen Mediziner, wenn Menschen, die unter allergischen Erkrankungen wie Heuschnupfen oder Asthma leiden, auch auf bestimmte Nahrungsmittel reagieren. Eine solche unheilige Allianz bilden oft Birkenpollen und Haselnüsse.

GLUTENUNVERTRÄGLICHKEIT

Auch in diesem Fall ist das Immunsystem im Spiel, doch die sogenannte Zöliakie, (siehe nebenstehender Text) zählt nicht zu den Allergien. Die Abwehr richtet sich hier gegen körpereigene Strukturen, weshalb die Zöliakie zu den Autoimmunerkrankungen gerechnet wird, wie etwa der Diabetes vom Typ eins.

HILFE BEIM EINKAUFEN

Menschen mit einer Zöliakie und mit einer Nahrungsmittelallergie verbindet, dass ihr Immunsystem schon auf kleine Mengen des unverträglichen Nahrungsbestandteils reagiert. Die EU-Richtlinie 2007/68/EG macht das Einkaufen für solche Patienten etwas leichter, denn sie verpflichtet die Hersteller verpackter Lebensmittel zu Angaben über Gluten und eine Reihe wichtiger Allergene wie etwa Hühnerei, Erdnuss, Sellerie oder Senf. Umgekehrt sind glutenfreie Lebensmittel inzwischen auf immer mehr Verpackungen an einem speziellen Siegel erkennbar: einer durchgestrichenen Kornähre.

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