Berlin : Vertragspoker um die beiden neuen Großhallen beendet

AXEL BAHR

Sportsenatorin einigt sich mit "Velomax"-Gesellschaft / Schwenkow als ErfolgsgarantVON AXEL BAHR BERLIN.Nach zähen Verhandlungen hat sich die Sportverwaltung mit den designierten Betreibern der Max-Schmeling-Halle sowie der neuen Radsporthalle in Prenzlauer Berg geeinigt.Gegenüber dem Tagesspiegel bestätigte Sportsenatorin Ingrid Stahmer (SPD) den für Dienstag angesetzten Abschluß des Vertrages mit der Bietergemeinschaft Gegenbauer/Otremba/Schwenkow.Das Trio ist als "Velomax"-Berlin-Hallen-Betriebsgesellschaft laut Geschäftsbesorgungsvertrag ab 1.Juni für die Max-Schmeling-Halle und ab 1.August für das Velodrom zuständig.Beide Arenen wurden im Zuge der Olympia-Bewerbung geplant und realisiert. - -Der Senat war unter immensen Zeitdruck geraten, weil die Schmeling-Arena offiziell Ende Mai von der Olympia Sportstätten GmbH (OSB) übergeben wird.Damit sind jetzt auch die Weichen für einen anschließenden regulären Betreibervertrag gestellt.Dieser könnte in drei bzw.sechs Monaten unterschriftsreif sein.Die komplizierten Schlußverhandlungen zwischen der Verwaltung und dem Konsortium waren bis zur Einigung durch einen Poker um die Vergütung der Geschäftsbesorgung geprägt.Demnach hätte das Konsortium gerne weit mehr als die für 1997 im Haushaltsplan eingesetzten 6,8 Millionen Mark an Landesmitteln erhalten.Diese Summe ergibt sich aus den Betriebskosten, dem laufenden Sportbetrieb für Schulen und Vereine zuzüglich eines Dienstleistungshonorars. Offenbar gab es auch innerhalb der Bietergemeinschaft um die Gebäudemanagement-Firma Gegenbauer unterschiedliche Auffassungen, ob diese Summe für einen profitablen Betrieb der Arenen ausreichend ist.Ab dem kommenden Jahr werden laut Haushaltsplan an Zuschüssen 7,6 Millionen für die Sportbetrieb sowie weitere fünf Millionen Mark für Betriebskosten veranschlagt.Ob diese Summe allerdings realistisch ist, muß sich erst noch durch die Erfahrungen des laufenden Betriebes zeigen. Die Entscheidung für das Konsortium, das sich nach einer europaweiten Ausschreibung gegen die Stuttgarter Dekra-Promotion durchgesetzt hatte, wurde von lauter Kritik wegen des Engagements des Berliner Konzertveranstalters Peter Schwenkow begleitet.Mit dem Impresario wurde von unterschiedlichsten Seiten die Befürchtung einer Monopolstellung auf dem lokalen Veranstaltungsmarkt verbunden.Auch Senatorin Stahmer selbst hatte bei der Vorentscheidung im Senat vor sechs Wochen aus ihrer Sorge um mögliche "Wettbewerbsverzerrungen" keinen Hehl gemacht.Auch wenn letztlich der Vorbehalt eines drohenden Monopols nicht völlig aus dem Weg geräumt wurde, überwog das durch den Konzert-Mogul verfügbare Know-how, Großveranstaltungen für die Hallen zu akquirieren und durchzuführen.In der Sportverwaltung kam man schließlich zu der Überzeugung, daß Schwenkow im Verbund mit dem erfahrenen Gebäudemanager Gegenbauer die besten Voraussetzungen für einen wirtschaftlichen Betrieb der Hallen mitbringt.Stahmer sieht in Schwenkow die "größtmögliche Gewähr für den Erfolg". Die von Schwenkow stets zurückgewiesene Gefahr, er könne seinen direkten Einfluß auf die beiden Großhallen über Gebühr zur Mehrung des eigenen Geschäftserfolges und zum Schaden kleinerer Mitbewerber nutzen, soll durch Kontrollgremien minimiert werden.Kenner der Szene halten dies allerdings für illusorisch.Ob es gelingt, wie vor Jahren in sündhaft teuren Gutachten erhofft, langfristig bis zu 110 Veranstaltungen pro Jahr und Halle durchzuführen, wird als zu optimistisch eingeschätzt.Als realistische Größenordnung gelten für die ersten Jahre 80 bis 90 Veranstaltungen.

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