Berlin : Vertriebene verzichten auf Bunker

Verband nimmt Abstand von Plänen in der Kreuzberger Fichtestraße

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Im ehemaligen Luftschutzbunker in der Fichtestraße in Kreuzberg soll das umstrittene „Zentrum gegen Vertreibung“ nicht mehr eingerichtet werden. Der Bund der Vertriebenen hat von entsprechenden Plänen mittlerweile Abstand genommen. „Das Objekt ist raus aus der Diskussion“, hieß es am Dienstag in der Zentrale in Bonn. „Der Aufwand, der betrieben werden müsste, damit dort ein Gedenk und Dokumentationszentrum entsteht, steht in keiner Relation zu dem geplanten Projekt“, sagte die Vorsitzende des Vertriebenenbundes Erika Steinbach gegenüber dem Tagesspiegel. Es gebe aber andere Gebäude in Berlin, über die noch verhandelt werde. „Spruchreif ist jedoch noch nichts“, sagte Erika Steinbach.

Der Rundbau, der einst ein Gasometer war, diente nach dem Krieg als Obdachlosenasyl und Flüchtlingslager und zeitweise auch als Altenheim. Nach der Berlin-Blockade hatte der Senat dort ein Lebensmittellager eingerichtet, das erst 1990 aufgelöst wurde. Mitte August 2003 äußerte Erika Steinbach den Wunsch, in dem ungenutzten landeseigenen Gebäude das Vertriebenen-Zentrum zu errichten. Beim Steuerungsausschuss des Liegenschaftsfonds, das bei einem Verkauf von Landes-Immobilien zustimmen muss, stieß dieses Vorhaben damals jedoch auf Ablehnung. „Bevor es keine eindeutige Positionierung auf Bundesebene gibt, verhandeln wir erst gar nicht“, sagte der Geschäftsführer des Liegenschaftsfonds, Holger Lippmann, kurz nach Bekanntwerden der Absicht des Bundes der Vertriebenen. Wie berichtet, hatte sich Bundeskanzler Gerhard Schröder bei der Gedenkfeier zum 60. Jahrestag des Warschauer Aufstandes in der polnischen Hauptstadt gegen ein „Zentrum gegen Vertreibung“ in Berlin ausgesprochen. Auch die Bezirksverordnetenversammlung wies am 26. August 2003 einen Antrag der CDU-Kreuzberg ab, Vertreter des Bundes, des Senats, des Bezirks sowie der Stiftung „Zentrum gegen Vertreibung“ zu einem „ernsthaften Gedankenaustausch“ über einen Verkauf des „Fichtebunkers“ einzuladen. Allerdings sagte Erika Steinbach auch, dass ihrer Organisation keine Absage erteilt worden sei.

„Der Plan eines Vertriebenen-Zentrums ist für uns nicht aufgegeben“, sagte auch der ehemalige Bundesgeschäftsführer der SPD, Peter Glotz, der die Idee mitunterstützt, gegenüber dem Tagesspiegel. Auch er spricht von „noch nicht spruchreifen Objekten“ als Alternativ-Standorten. „Wir konzentrieren uns erst einmal auf eine Ausstellung, die wir Anfang August 2006 zeigen möchten“, sagte Glotz. cvm/suz

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