Berlin : Verwegen wie Indiana Jones

Zirkusprogramm „Ovations“ gastiert mit atemberaubenden Pferdenummern in Berlin

Heidemarie Mazuhn

Unter donnernden Hufschlägen preschen feurige Pferde in die Manege – unerwartet, und durch den Zuschauereingang. Den Besuchern rechts und links im Parkett stockt vor Überraschung der Atem. Mit Beifallsstürmen reagieren sie auf diese „Ovations“. So hat der niederländische Veranstalter Stardust Circus International seine neueste Produktion genannt, mit der er vom 14. November bis zum 5. Januar auf dem Zentralen Festplatz am Kurt-Schumacher-Damm gastiert.

Es sollte an ein Wunder grenzen, wenn die Berliner dabei nicht ebenso aus dem Häuschen gerieten, wie jüngst die Letzeburger – so nennen sich mundartlich die Untertanen des Großherzogtums Luxemburg. Nicht nur zu Beifallsstürmen, sondern zu mehrmaligen stehenden Ovationen rissen die über 100 Zirkuskünstler dort Abend für Abend die Zuschauer hin. Mitten im internationalen Banken- und Handelszentrum hatte der Zirkus sein dunkelrotes Pagodenzelt aufgeschlagen, das schon aus dem Flugzeug als exotischer Farbklecks zu erkennen war.

Der Zentrale Festplatz Berlins liegt nicht so besucherfreundlich wie das Glacisfeld in der festungsartigen Residenz des Großherzogtums – Zirkusfreunden wird es egal sein. Haben sich doch Monica Strotmann und Henk van der Meyden – die beiden Namen hinter Stardust International – für ihr nach „Asiana“ und „Yin Yang“ drittes Gastspiel in Berlin eine ungewöhnliche Programm-Melange einfallen lassen.

„Eine magische Begegnung zwischen Himmel und Erde“ nennen sie ihr Zirkusangebot „Ovations“ mit Artisten aus Nordkorea und Russland, darunter drei „Goldene Clowns“– Preisträger des Circusfestivals von Monte Carlo. Am Fliegenden Trapez sorgen nordkoreanische Artisten mit spektakulären drei- und vierfachen Salti für schweißnasse Hände des Publikums. Aber nicht nur im „Himmel“ des Pagodenzeltes, auch auf dem Russischen Barren, dem Seil und dem Schleuderbrett oder beim Jonglieren ist ihre Kunst „dem Staunen gewidmet“, so formulierte einst André Heller über asiatische Zirkuskunst.

Dabei fanden die Stardust-Macher Henk van der Meyden und seine Frau Monica Strotman ihre Hauptattraktion diesmal nicht im Reich der Mitte, sondern in Russland. „Bebende Erde und stockender Atem“ titelte das Luxemburger Tageblatt seinen Premierenbericht zu „Ovations“. Und die Erde scheint wirklich zu beben, wenn die 25 Reiter und Amazonen des Nugzarov-Pferdetheaters in rasendem Tempo auf temperamentvoll schnaubenden Rassepferden durch das Manegenrund jagen oder aus luftiger Höhe von einer Zugbrücke herabreiten und ihre „Legende der Liebe“ vorführen.

Um deren gutes Ende wird nicht nur hoch zu Pferd, sondern auch darunter oder daneben hängend waghalsig geritten und gerungen und mit Schwertern gekämpft, allen voran mit wehender weißer Haarpracht Tamerlan Nugzarov, der Chef der Pferdeshow, Abkömmling einer uralten Dschigitenfamilie und seit seinem vierten Lebensjahr im Sattel. Als „Indiana Jones Live“ bezeichnete die New York Times den Auftritt des russischen Pferdezauberers in der Radio City Music Hall. Nun reitet er bald in Berlin.

Ovations, ab 14. November, Kurt-Schumacher-Damm. Karten von 17 bis 35 Euro gibt es unter der Ticket-Rufnummer 01805-88881818.

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