Berlin : Verwirrter drohte mit Samurai-Schwert

Zuvor hatte der Täter zwei Passanten grundlos mit einem Messer attackiert und schwer verletzt

Jörn Hasselmann

Ein offensichtlich geistig verwirrter Mann hat am frühen Sonntagmorgen in Wilmersdorf wahllos zwei Passanten mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt. Andere Personen bedrohte er mit einem Samurai-Schwert. Einer der Bedrohten konnte die Polizei rufen, die Zivilpolizisten verfolgten den Mann und konnten ihn am Hohenzollerndamm/ Ecke Uhlandstraße festnehmen; das SEK, das zur Unterstützung angefordert worden war, musste nicht eingreifen. Der Mann wurde bei der Festnahme leicht verletzt.

Die Taten geschahen in der stillen Emser Straße, die erste vor dem dortigen Logenhaus: Der 22-jährige Benjamin S. provoziert völlig grundlos einen 18-Jährigen und sticht ihm dann unvermittelt ein Messer in den Oberkörper. Dann geht er weiter. 30 Hausnummern entfernt, immer noch in der Emser Straße sticht er das Messer einem 19-Jährigen in die Brust. Wie das erste Opfer bricht auch dieser auf dem Bürgersteig zusammen.

Ein Anwohner der Emser Straße berichtete, dass in der Nacht Schreie zu hören gewesen seien, diese hätten aber eher nach Betrunkenen geklungen, nicht nach Schmerzensschreien. Der 18-Jährige aus Kreuzberg konnte nur durch eine Notoperation im Weddinger Rudolf-Virchow-Klinikum gerettet werden. Der 19-Jährige aus Steglitz kam in ein anderes Krankenhaus. Beide sind außer Lebensgefahr.

Zeugen berichteten, dass Benjamin S. bei den beiden Taten ein großes Schwert auf dem Rücken trug, dieses wurde sichergestellt. Nach Polizeiangaben handelt es sich um ein so genanntes Katana-Schwert, wie es aus Samurai-Filmen bekannt ist. Dieses Schwert hatte der Mann nach den beiden Taten in die Hand genommen und damit auf seiner Flucht durch Düsseldorfer und Uhlandstraße andere Passanten bedroht. S. wurde gestern wegen versuchtem Totschlags einem Haftrichter vorgeführt mit dem Ziel, ihn in eine psychiatrische Klinik einzuweisen. Er soll bereits im Dezember den Behörden aufgefallen sein, womit, wollte die Polizei nicht sagen.

Vor zehn Monaten hatte ein ebenfalls psychisch gestörter Mann, wiederum in Wilmersdorf, eine junge Frau in einer Kleingartenkolonie unvermittelt mit einer laufenden Kettensäge angegriffen und lebensgefährlich verletzt. Danach hatte sich der 37-jährige drogenabhängige Italiener einen Arm abgehackt. Er wurde im Januar dieses Jahres von einem Gericht dauerhaft in die Psychiatrie eingewiesen. Dieser Täter hatte kurz zuvor einen Autounfall gehabt, der offensichtlich Auslöser des Amoklaufs war.

Unklar blieb gestern, ob es eine Vorgeschichte zu den Taten des 22-Jährigen gibt, der selbst in Tatortnähe in Wilmersdorf wohnt. Woher S. das Katana-Schwert hatte, konnte die Polizei nicht sagen. Allerdings lassen sich derart gefährliche Waffen ohne Probleme im Internet kaufen.

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