Berlin : Verwirrung kostenlos

Wo gilt die Jahreskarte der Staatlichen Museen?

Fatina Keilani

Um die Jahreskarten der Staatlichen Museen herrscht weiter Verwirrung. Wer eine „Jahreskarte Plus“ hat, darf unbegrenzt in Ausstellungen gehen, ohne Eintritt zu zahlen. Das gilt seit neuestem auch für die MoMA-Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie, nachdem ein Berliner Ehepaar sich mit einer einstweiligen Verfügung freien Eintritt erklagte. Was aber, wenn als Veranstalter zwar die Stiftung Preußischer Kulturbesitz firmiert, die Ausstellung aber nicht in deren Räumen zu sehen ist? Tagesspiegel-Leser Peter Wegner wollte sich die Ausstellung „Das Totenbuch der Ägypter“ angucken, die zu 95 Prozent aus Exponaten des Ägyptischen Museums besteht, aber nicht in diesem, sondern noch bis 5. September im Kunstforum der Berliner Volksbank an der Budapester Straße 35 zu sehen ist. „Bisher bin ich immer reingekommen, wenn die Stiftung Preußischer Kulturbesitz als Veranstalter draufstand“, sagt Wegner. „Diesmal sollte ich Eintritt zahlen.“ Die Volksbank und das Ägyptische Museum bestätigten das gestern zunächst, die Volksbank teilte aber später am Tage mit, ab sofort würde man Inhabern einer „Jahreskarte Plus“ freien Eintritt gewähren.

Die Ägypten-Ausstellung beruht auf einer Kooperation zwischen der Bank und dem Museum. Die Erklärung für den Ort ist relativ schlicht: Das Ägyptische Museum hatte keinen Platz. „Unsere einzige Sonderausstellungsfläche ist zurzeit mit der Dauerausstellung belegt“, sagte Museumsmitarbeiterin Olivia Zorn. „Durch seine runde Form ist der Raum im Kunstforum wunderbar geeignet, die Exponate zu zeigen – so schön wäre das bei uns nicht möglich gewesen.“ Für Jahreskarten-Besitzer machte das bis gestern ein paar Euro Unterschied. Zwar zahlten sie in der Volksbank nur den ermäßigten Eintritt von drei statt fünf Euro. Im Ägyptischen Museum aber hätten sie von Anfang an freien Zutritt gehabt.

Wovon hängt es also ab, wann Pluskartenbesitzer freien Eintritt haben? Bei der Schau mit Werken aus dem Museum of Modern Art (MoMA) New York hatte es geheißen, die Ausstellung sei nicht von den Staatlichen Museen finanziert, deshalb koste sie extra. „Das MoMA ist aber die absolute Ausnahme“, sagte Stefanie Hauer von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. „Wir werben für viele Ausstellungen Drittmittel ein, das sind dann aber immer noch unsere Ausstellungen, und für die gilt die Jahreskarte natürlich“, sagte Hauer. Wie viele Jahreskarten im Umlauf sind, wusste bei der Stiftung und den ihr zugeordneten Staatlichen Museen niemand zu sagen.

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