• Verwüstete Waggons nach Spiel von Union Berlin: 42 Polizisten bekommen von Randale nichts mit

Verwüstete Waggons nach Spiel von Union Berlin : 42 Polizisten bekommen von Randale nichts mit

42 Bundespolizisten saßen in dem Regionalzug, der auf der Rückfahrt von Rostock nach Berlin mutmaßlich von Fußball-Fans zerstört wurde. Keiner der 42 habe unterwegs etwas bemerkt, sagt die Polizei.

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Nach der Fahrt. Diese Bilder aus dem Zug der Union-Fans zeigte die Bundespolizei.
Nach der Fahrt. Diese Bilder aus dem Zug der Union-Fans zeigte die Bundespolizei.Screenshot: Tsp

Als der Regionalzug in Rostock losfuhr, am Samstag nach dem Fußball-Freundschaftsspiel Hansa Rostock gegen Union Berlin (1:3), waren seine Waggons noch völlig intakt. Als er in Berlin ankam, waren in drei Wagen Decken eingeschlagen, Wände beschmiert, ein Wagen war vermüllt. Im Zug: 600 Fahrgäste, darunter viele Fußballfans von Union. Auch im Zug: 42 Bundespolizisten. "Aber sie haben von der Randale unterwegs nicht bemerkt", sagt ein Sprecher der Bundespolizei." Erst nachdem in Berlin-Gesundbrunnen eine Flut von Menschen auf den Bahnsteig geströmt war und sich der Zug geleert hatte, hörten die Beamte von den Schäden und registrierten sie amtlich. "Dann wurden Maßnahmen ergriffen", sagt der Polizeisprecher. Ermittlungen gegen Unbekannt.

Eine genau Erklärung, weshalb die Beamte die Randale nicht bemerkten, hat er nicht. Möglich, sagt er, dass die Polizisten aus polizeitaktischen Gründen in anderen Wagen stationiert waren. Um zum Beispiel die Fangruppe des einen Vereins von den rivalisierenden Anhängern des anderen Vereins zu trennen. Das war ja eine der beiden Hauptaufgaben dieser Polizisten. Sie sollten, auch in Rostock selber, verhindern, dass die verschiedenen Fangruppen aufeinander treffen. "Es gibt ja auch in Berlin Rostock-Fans, es ist ja immer möglich, dass Fans beider Teams im gleichen Zug sitzen", sagt der Polizeisprecher.

Mit Randalen hat offenbar niemand gerechnet

Zweite Aufgabe: Die Beamte sollten verhindern, "dass Angriffe von außen auf den Zug stattfinden". Dass zum Beispiel auf einem Bahnsteig plötzlich Fans in die Wagen stürmen und dort auf ihre Rivalen treffen. Die Hauptaufgaben hat die Polizei sehr gut gelöst. Weder beim Spiel noch im Zug gab es Auseinandersetzungen zwischen den Fans beider Teams. Aber mit der Randale nach dem Spiel hatte offenbar niemand gerechnet. Polizei, Bahn und Union waren, wie üblich vor so einem Spiel, zusammengekommen und hatten die Lage besprochen. 42 Bundespolizisten, die 600 Fans begleiten, "das ist nicht viel", sagt der Polizeisprecher.

Die Personen, die nach der Abfahrt in Gesundbrunnen noch im Zug waren, hat die Polizei nicht überprüft. Dazu habe es keinen Anlass gegeben, sagt der Polizeisprecher. "Ich kann ja nicht willkürlich eine Personengruppe kontrollieren." Also wurde erstmal Beweismaterial gesichert, dazu kamen Ermittlungen wegen Sachbeschädigungen gegen Unbekannt.

Kameras aus verwüsteten Zug

Kontrolliert wurden dann in der Nacht zum Sonntag zwischen zwei und vier Uhr, 49 Personen. Die gaben durchaus Anlass dazu. "Sie haben sich auffällig verhalten", sagt der Polizeisprecher. Nachts vermummt durch die Stadt zu laufen, ist durchaus auffällig. Einige aus der Gruppe hatten ihr Gesicht verdeckt.

In diesem Moment hatten die Beamten der Berliner Polizei, die nun die Personalien kontrollierten, noch keinen Zusammenhang mit dem verwüsteten Zug hergestellt. Das änderte sich, als sie eine Videokamera fanden, die erkennbar aus einem Zug herausgebrochen worden war. Ob es allerdings eine Kamera aus dem verwüsteten Zug ist, wird gerade geklärt. Seit zwei Jahren sind solche Kameras in Regionalzügen installiert. Wenn es eine Kamera aus dem verwüsteten Zug ist, dann hat die Polizei wohl gestochen scharfe Bilder von den Tätern. Die Kamera ist hochmodern.

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