Berlin : Verzettelt

Peter Grottian wurde wegen Fahrerflucht verurteilt Der Professor hatte beim Parken ein Auto touchiert

Kerstin Gehrke

Der Schaden schien nicht groß. Politikprofessor Peter Grottian hatte auch auf den Fahrer des Autos, das er beim Ausparken mit seinem BMW leicht erwischt hatte, gewartet. Doch da drückten zwei Termine. Eine halbe Stunde nach dem Malheur entschloss sich Grottian, einen Zettel zu hinterlassen. In der Überzeugung, dass man die Sache untereinander regeln könnte. Die Delle aber entwickelte sich zu einem teuren Ärger.

Wegen Unfallflucht musste sich der 65-jährige Grottian, Hochschulprofessor a. D. und einer der prominentesten Demonstranten der Stadt, gestern vor dem Amtsgericht verantworten. Dass er am Nachmittag des 30. Mai 2007 in Zehlendorf beim Ausparken ein Stück zu weit rückwärts gerollt war, stand nicht zur Debatte. Grottian hatte schließlich einen gelben Zettel samt Geständnis an die Windschutzscheibe des beschädigten Autos geklemmt. „Lieber Autofahrer, ich habe Ihrem Wagen leider einen Schaden zugefügt.“ Er teilte seinen Namen und zwei Telefonnummern mit. Am Abend aber meldete sich nicht der „liebe Autofahrer“, sondern nur die Polizei.

Der angerempelte Mitsubishi gehört einer Physiotherapeutin. Grottian hatte auf dem Zettel zwar versichert, dass er für die Reparatur aufkommen werde, die 26-Jährige aber war unsicher und ging lieber auf Nummer sicher: „Ich wusste nicht, wie man in so einer Sache vorgeht.“ Sie alarmierte die Polizei und wurde darin vom Gericht bestärkt. „Ein Zettel reicht nicht aus. Das lernt man schon in der Fahrschule“, erteilte der Richter dem Professor Nachhilfe. Warten sei angesagt oder der Gang zur Polizei.

Für die Verkehrsgerichte sind es sogenannte Zettelfälle. Viele dieser Verfahren werden eingestellt, weil der Unfallverursacher zu seiner Verantwortung stehen wollte. Allerdings gilt das nur für jene, die eine weiße Weste im Flensburger Verkehrsregister haben. „Sie aber sind verkehrsrechtlich vorbestraft“, hielt der Richter dem Professor vor. Und sprach damit mehrere Punkte in Flensburg an und eine Vorstrafe aus dem vergangenen Jahr wegen Unfallflucht – ebenfalls beim Parken.

Am Mitsubishi war ein Schaden von 2400 Euro entstanden, der anstandslos reguliert wurde. Der Richter ging nun davon aus, dass Grottian sehr wohl wusste, dass ein Zettel nicht ausreicht. Gegen den Professor erging wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort eine Geldstrafe von 3440 Euro. Zudem erteilte das Gericht ein dreimonatiges Fahrverbot. Einzige gute Nachricht für Grottian: Da die Justiz seinen Führerschein bereits im Oktober eingezogen hatte, bekommt er ihn nun zurück. Kerstin Gehrke

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