Berlin : Verzögerung bei der U55: BVG verteidigt Baufirma

„UnkalkulierbaresRisikobeiArbeitinGrundwasser“ Stadträtin Dubrau: Zeitplan war zu ehrgeizig

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Das mit dem Grundwasser hält Manfred Semmer, Vorsitzender des Architekten und Ingenieur-Vereins zu Berlin, für einen Vorwand. „Das Problem am Pariser Platz ist hinlänglich bekannt gewesen“, sagt der Architekt. Semmer kann nicht glauben, dass ein Weltunternehmen wie Hochtief, das den U-Bahnhof Brandenburger Tor für die Stummel- Linie U55 baut, vom hohen Grundwasserstand am Brandenburger Tor überrascht worden ist. Am Mittwoch war bekannt geworden, dass der Bau wegen des Grundwassers nicht wie angekündigt zur Fußball-WM im kommenden Sommer abgeschlossen werden kann. „Wir vermuten, dass von der BVG und den Verantwortlichen der Fußball-WM ein Zeitplan vorgegeben wurde, der von Anfang an nicht einzuhalten war.“ Ähnlich sieht es Dorothee Dubrau (Grüne), Baustadträtin von Mitte. „Die Zeitplanung war von Anfang an zu ehrgeizig.“

Die BVG weist das zurück und warnt vor Schuldzuweisungen. „Das Bauen im Grundwasser ist sehr kompliziert und mit nicht vorhersehbaren Risiken verbunden“, sagt Petra Reetz, Sprecherin der Verkehrsbetriebe. Im Grundwasser zu bauen, sei im Prinzip zwar kein Problem, nur sei in diesem Fall die zulässige Wassermenge überschritten. Würden Hochtief und die anderen beteiligten Unternehmen dennoch so schnell arbeiten, dass der Bahnhof wie geplant als Provisorium bis zur WM fertig wäre, könnte dies die Stabilität des Erdreichs gefährden.

Für den Transport der Fußball-Fans durch die Stadt hätte die U 55 wegen ihrer geringen Kapazität ohnehin keine große Bedeutung gehabt, sagt Reetz. Das sieht auch die Senatsverkehrsverwaltung so. Für die Strecke zwischen dem künftigen Hauptbahnhof und dem Brandenburger Tor erwägt die BVG nun, während der WM eine Busverbindung einzurichten. Zusätzliche Kosten kommen durch die Verzögerung weder auf die BVG noch auf die Steuerzahler zu, sagt Reetz: „Das übernehmen die Baufirmen.“

Viel wichtiger als die Fertigstellung des U-Bahnhofes ist aus Sicht des Bezirks und der Senatsverwaltung eine andere Frage: „Bis zur WM muss die Baustelle von der Oberfläche verschwinden“, sagt die Sprecherin von Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD), Manuela Damianakis, mit Bezug auf öffentliche WM-Veranstaltungen, die am Brandenburger Tor geplant sind. Aus Sicht der BVG ist das zu schaffen: „Da kommt planmäßig rechtzeitig vor der WM der Deckel drauf, dann wird im Untergrund weitergebaut“, sagt Petra Reetz.

Die Nachbarn der U-Bahn-Baustelle überraschte die Nachricht vom überraschend kräftig eindringenden Grundwasser kaum. „Das ist ein typisches Problem in dieser Gegend von Berlin“, sagt Sabine Kalkmann, Sprecherin des Hotels Adlon. Das Hotel habe damit aber keine Schwierigkeiten gehabt. Während die Baugrube für den U-Bahnhof fast 20 Meter tief reichen soll, war für den Adlon-Neubau der Boden nicht mal zehn Meter tief ausgehoben worden. lvt

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