Berlin : Verzweifelte Suche nach dem Spender

Der zwölfjährige Markus leidet an Leukämie und braucht eine Rückenmarks-Transplantation

Ingo Bach

Die Zeit drängt, um das Leben des zwölfjährigen Markus Mersch aus Pankow noch retten zu können. Der Junge braucht dringend einen Knochenmarkspender, denn bei ihm ist eine seltene Form der Leukämie weit fortgeschritten. Bisher war die Suche in den Spenderdateien der Welt erfolglos, denn die Wahrscheinlichkeit, einen Treffer zu landen, liegt nach Expertenmeinung bei gerade mal eins zu einer Million. „Das ist wie im Lotto“, sagt Gisela Otto, Vorsitzende der Aktion Knochenmarkspende Brandenburg-Berlin. „Aus 400 genetischen Merkmalen müssen acht richtige, sprich übereinstimmende, gefunden werden.“ Und die Zahl der Patienten, die keinen Spender in der eigenen Familie finden können, ist hoch. Jedes Jahr gehen allein aus Deutschland 1300 Suchfragen beim Zentralregister für Knochenmark-Spender in Ulm ein, 500 Spender werden so vermittelt.

Die Bereitschaft der Berliner, sich als Spender registrieren zu lassen, ist auch im Fall Markus groß: Über 2000 Freiwillige haben sich bei den drei bisherigen Aktionen gemeldet, haben geduldig gewartet, bis ihnen zehn Milliliter Blut abgezapft wurden, die zur Typisierung ins Labor wandern. Am heutigen Mittwoch folgt eine weitere.

Für die Mutter von Markus wie auch für den kleinen Patienten selbst, ist jede dieser Aktionen mit Hoffnung verbunden, jetzt endlich einen Spender zu finden. Bisher vergeblich. Doch die Wahrscheinlichkeit wächst, je mehr Menschen sich registrieren lassen. Nun hat Bundestagspräsident Wolfgang Thierse die Patenschaft für die Typisierungsaktion übernommen, die Markus wie auch dem Pankower Schüler Paul Rautenberg helfen soll. Thierse rief alle Bürger zwischen 18 und 55 Jahren auf, das eigene Blut testen zu lassen. „Helfen Sie den beiden Jungen. Wir dürfen nichts unversucht lassen.“

Der ständige Wechsel zwischen Hoffen und Enttäuschung ist für Markus’ Familie nur noch schwer zu verkraften. „Das ist die definitiv letzte Aktion“, sagt Andrea Mersch, Mutter von Markus. Denn dann muss entschieden werden. Die Ärzte haben den Termin für die Transplantation auf kurz nach Pfingsten gelegt. Ist aber bis dahin kein geeigneter Spender gefunden, dann werden Markus’ Vater die Stammzellen entnommen. Doch da er nicht hundertprozentig kompatibel ist, ist die Gefahr, dass Markus’ Körper die Spende abstößt, sehr groß. „Die Heilungschancen wären bei einem Fremdspender wesentlich höher“, sagt Andrea Mersch.

Ihr Sohn liegt seit Januar im Helios-Klinikum Buch. Schon drei kleine Leukämiepatienten sind in der Zeit auf seiner Station gestorben, der letzte am vergangenen Sonnabend. Er war einer, der alle anderen auf der Station Mut gemacht hatte. Nach dessen Tod hat Markus nur leise gesagt: „Vielleicht bin ich auch bald dran.“ Doch seine Mutter gibt nicht auf: „Markus ist ein Sonntagskind. Es wird alles gut gehen.“ Und sie ist froh, dass sich der Junge sein kindliche Naivität bewahrt habe und „meistens nicht über seine Krankheit nachgrübelt.“

Die Blutentnahmen für die Tests finden heute von 14 bis 19 Uhr an folgenden Schulen statt: Kant-Gymnasium, Bismarckstraße 54, Spandau; Wieland-Herzfelde-Gymnasium, Pistoriusstraße 133, Weißensee; Alexander v. Humboldt-Gymnasium, Oberspree 173, Köpenick; Goethe-Gymnasium, Drakestraße 72, Steglitz; Robert-Blum-Gymnasium, Kolonnenstraße 21, Schöneberg

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