Video : Streit um Museum des Kalten Krieges dauert an

Am Checkpoint Charlie wurde Geschichte geschrieben – nun ist der ehemalige Grenzübergang erneut Austragungsort eines Konfliktes. Während SPD-Politiker dort ein Museum errichten wollen, fürchten CDU-Vertreter die anfallenden Kosten.

Am Checkpoint Charlie wurde Geschichte geschrieben: hier, am Grenzübergang zwischen amerikanischen und sowjetischen Sektor, standen sich 1961 Panzer beider Seiten gegenüber - Kampfhandlungen wären zu diesem Zeitpunkt durchaus möglich gewesen. Aber der Checkpoint Charlie war auch Schauplatz von Fluchtversuchen, von sehr persönlicher Dramen also. Heute ist der Ort weltweit ein Symbol des Kalten Krieges und der europäischen Teilung.

Nun ist der Checkpoint Charlie wieder Austragungsort eines Konfliktes. Die eine Seite will ein ganz neues Museum an diesem Ort bauen, um die Erinnerungskultur aus dem bunten Treiben auf der Friedrichstraße herauszulösen. In dem Museum soll eine neutrale Dokumentierung des Kalten Krieges geschaffen werden. Die andere Seite hält das für zu teuer und bevorzug eine kleine Lösung. Heißt: Das Thema Kalter Krieg soll in das bereits bestehende Alliiertenmuseum integriert werden - das Ganze soll dann vom äußersten Stadtrand Berlins auf das Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof ziehen.

Markus Meckel, letzer Außenminister der DDR, ist einer der Initiatoren des neuen Museums. Dem SPD-Politiker ist ein neutraler Blick auf den Kalten Krieg und eine internationale Darstellung enorm wichtig: "Was fehlte und bis heute wirklich fehlt, ist ein Museum des Kalten Krieges, das diese deutsche Situation in Verbindung bringt und den Akzent legt auf die internationalen Zusammenhänge. Denn man kann das geteilte Berlin, das geteilte Deutschland nicht verstehen, wenn man nicht diesen internationalen, globalen Blick hat."

Der Berliner CDU-Politiker Kai Wegner findet dagegen, dass die Stadt kein Geld für so etwas hat und verweist dabei auf die sogenannte Black Box beim Checkpoint Charlie, in der schon jetzt der Kalte Krieg Thema ist: "Der rot-rote Senat hat in der Vorgängerregierung in Berlin eine Black Box am Checkpoint Charlie beschlossen. Und ich habe große Zweifel, dass Berlin Geld und auch Kapazitäten für zwei Museen hat, die sich mit der Thematik des Kalten Krieges beschäftigen."

Allerdings ist die Black Box nur temporär; bisher soll sie keine Dauereinrichtung sein. Die Atmosphäre um den Checkpoint Charlie erscheint einigen Touristen tatsächlich etwas "rummelhaft" und unangemessen für einen Ort der Erinnerung. Die Lehrerin Gerda Scharper, die mit ihrer 10. Klasse auf Erkundungstour ist, ist jedenfalls enttäuscht: "Hier fahren die Busse dran vorbei, es ist irgendwie, es ist nicht so sehr ein Erinnern, habe ich das Gefühl, sondern eher eine Sensationslust, die die Menschen hierher bringt, und ich finde es besser, man würde es als Gedenkstätte zum Erinnern haben." Oder man lässt einfach ein Erinnerungsfoto machen. Aber das eine muss das andere ja nicht ausschließen.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben