Berlin : Viel zu warm

Christian van Lessen

Wer schimpft da über die Kälte? Eigentlich ist es doch noch viel zu warm. Die Kaltfront macht nichts besser: Die Miniermotte, dieser Quälgeist, der seit Jahren Berlins Kastanien martert, krepiert erst ab minus 25 Grad. Dabei hatten wir erhofft, die Brut würde nach dem Tiefkühlen keinen Schaden mehr anrichten. Doch sie versteckt sich im Boden und lacht sich eins. Wir warten also kaltherzig ab: Noch fünf, sechs Minusgrade mehr, dann vergeht selbst der Motte der Spaß. Und vielleicht auch jenem Busfahrer, der gestern Mittag auf der John-Foster-Dulles-Allee seinen Stadtrundfahrt-Doppeldecker vor dem Haus der Kulturen der Welt anhielt, durch die Vordertür ins Freie stieg, sich an die rechte Fahrzeugseite stellte und vor den Augen betretener Bustouristen ans Gefährt pinkelte. Noch fünf, sechs Grad kälter, und er würde es sich noch mal überlegen – und sei es nur aus Gründen des Frostschutzes. Oder, besser noch, aus Anstand. Hoffen wir also, dass die Meteorologen Recht behalten. Es könnte dem Aussehen unserer Kastanien bekommen – und irgendwie auch dem Ansehen unserer Stadt. Sollte die nicht bald welmeisterschaftstauglich sein?

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