Berlin : Viele Berliner haben schon gewählt

Die Abstimmung per Brief ist mehr denn je gefragt – auch im Ostteil der Stadt Das große Interesse lässt auch am 17. September eine hohe Beteiligung erwarten

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Die Berliner haben kein Interesse an der Abgeordnetenhauswahl? Für die Briefwähler gilt das offenbar nicht. Bis Donnerstagabend haben schon 231 874 Wahlberechtigte die notwendigen Unterlagen angefordert. Täglich kommen 15- bis 20 000 Anträge hinzu. Geert Baasen, der Geschäftsführer des Landeswahlleiters, rechnet deshalb bis zum Wahlsonntag, 17. September 2006, mit über 350 000 Briefwählern. Das wäre viel.

Jedenfalls deutlich mehr als bei der vorgezogenen Abgeordnetenhauswahl 2001, als knapp 317 000 Berliner ihre Stimme auf dem Postweg abgaben. 1999 gab es sogar 334 000 Briefwähler, und bei der Bundestagswahl 1998 wurde die Rekordzahl von 385 000 erreicht. Hohe Briefwahlquoten sind übrigens keine Berliner Spezialität. In anderen deutschen Großstädten, etwa Hamburg, Köln, München oder Bremen, ist der Anteil der Briefwähler noch höher als in der Hauptstadt.

Das liegt an dem Nachholbedarf in Ostdeutschland. Dort gehen die Wähler lieber ins Wahllokal, Gründe dafür sind nicht bekannt. Die unterschiedlichen Gewohnheiten in Ost und West zeigen sich auch bei dieser Wahl. Während in Steglitz-Zehlendorf bis Donnerstag schon 13,2 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgaben, waren es in Lichtenberg erst 5,3 Prozent. Auch in Charlottenburg-Wilmersdorf, Reinickendorf und Tempelhof-Schöneberg sind die Briefwahlquoten sehr hoch. Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf und Friedrichshain-Kreuzberg sind die Schlusslichter.

Einen Schritt nach vorn haben Pankow und Treptow-Köpenick gemacht. Dort beteiligen sich diesmal erstaunlich viele Bürger an der vorgezogenen Wahl per Brief. Das könnte zwei Gründe haben: In beiden Ostbezirken wohnen besonders viele junge Wähler, und der Anteil der „Zugereisten“ ist sehr hoch. Allmählich verschwinden die Unterschiede zwischen Ost und West. Der Geschäftsleiter Baasen sieht sich aber – auch wegen solcher neuen Entwicklungen – nicht in der Lage, aus dem großen Interesse an der Briefwahl amtliche Rückschlüsse auf die gesamte Wahlbeteiligung am 17. September zu ziehen.

Versuchen wir es selbst: An der Wahl 2001 beteiligten sich 68,1 Prozent der Wahlberechtigten. Als Faustregel für Berlin gilt, dass auf jeden Briefwähler vier bis fünf „normale“ Wähler kommen. Wenn das auch dieses Mal stimmt, müsste die Wahlbeteiligung zwischen 65 und 75 Prozent liegen. Das wäre für Berliner Verhältnisse recht ordentlich.

Wer die Briefwahl beantragen will, kann dies noch bis 15. September, 18 Uhr, tun. Auf dem Postweg (Formular unter www.statistik-berlin.de/wahlen), am PC (dieselbe Internetadresse) oder persönlich im Bezirkswahlamt. za

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