Berlin : Viele Besucher, wenig Geld

Das Museumsinsel-Festival steckt in finanziellen Nöten

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Eigentlich müsste es eine perfekte OpenAir-Saison sein. Und doch knirscht es beim Museumsinsel-Festival: Konzerte werden abgesagt oder verlegt. Der Auftritt der Beginner am heutigen Freitag ist ersatzlos gestrichen, das Konzert von Giora Feidman am Tag darauf ist in die Kreuzberger Passionskirche verlegt worden. Zuvor hatten schon die Konzerte von Stereo Total und Naked Raven an anderen Orten stattgefunden. Schuld daran, so Sabine Grunwald, Sprecherin des Festivals, sind die Betriebskosten für den Veranstaltungsort vor der Alten Nationalgalerie: „Kleinere Konzerte können die Kosten nicht einspielen, und es ist uns nicht gelungen, das durch die Erlöse größerer Konzerte oder durch Sponsorengelder aufzufangen.“

Für die hohen Betriebskosten gibt es gleich mehrere Gründe. Erstens: Die angrenzende Alte Nationalgalerie mit ihren weltberühmten Kunstwerken braucht besonderen Schutz, weshalb viele Sicherheitsleute nötig sind, die wiederum reichlich Geld kosten. Zweitens: Im vergangenen Jahr war nach dem Festival der Rasen vor dem Haus ruiniert, weshalb dieses Jahr vor und nach jeder Veranstaltung Schutzplatten verlegt und wieder eingesammelt werden müssen. Auch das kostet. Drittens: Gab es 2002 noch 20 größere Konzerte, die viel Geld in die Kasse brachten, sind es dieses Jahr deutlich weniger, weil den Staatlichen Museen die Belastung zu viel wurde. Und viertens: In diesem Jahr sind weniger Sponsoren im Boot. Das bedeutete in der Konsequenz: Es ist weniger Geld im Topf, um kleinere Konzerte „querzufinanzieren“, sagt Sabine Grunwald.

Dennoch will sie an dem Veranstaltungsort vor der Alten Nationalgalerie festhalten. „Wir hoffen, dass wir für das kommende Jahr wieder mehr Sponsoren finden.“ Fest steht jedoch: Konzerte mit unter 3000 Gästen sind auch künftig kaum wirtschaftlich auf der Museumsinsel zu realisieren.

Beliebt ist das Festival im vierten Jahr nach seiner Gründung gleichwohl – die 140000 Besucher vom letzten Jahr sollen diesmal sogar noch übertroffen werden. Besonders gut laufen die Kinovorstellungen, aber auch die Heimatklänge waren ein voller Erfolg – bei nur fünf Euro Eintritt pro Konzert. Kein Wunder: Die Heimatklänge fanden auf dem zweiten Spielort des Festivals statt, der Piazza am Kulturforum, vor der Gemäldegalerie. Dort muss zum Beispiel kein Rasen vor dem Ansturm der Massen geschützt werden. oew

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