Berlin : Viele Brücken, viele Sorgen

Berlin hat nur elf Millionen Euro für die Sanierung – Rudolf-Wissell-Brücke wird 2007 erneuert

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Berlin ist eine der brückenreichsten Städte europaweit. Doch nur etwa elf Millionen Euro stehen jährlich bereit, um die Bauwerke zu unterhalten. Zu wenig? Nach einem Bericht der „Bild am Sonntag“ werden bundesweit nur noch 7,1Prozent der Brücken an Autobahnen und Bundesstraßen als „sehr gut“ bewertet; im Jahr 2001 seien es noch 17,6 Prozent gewesen. Bei 12,6 Prozent der Brücken aus Spannbeton sei der Zustand „kritisch“, bei 2,4 Prozent sogar „ungenügend“.

Dringend sanierungsbedürftig ist in Berlin die Rudolf-Wissell-Brücke; durch einen Neubau ersetzt werden muss die Spandauer–Damm-Brücke an der Stadtautobahn. Die Kosten hierfür übernimmt der Bund. Mit den elf Millionen Euro aus Landesmitteln will die Stadtentwicklungsverwaltung nach Angaben ihrer Sprecherin Petra Rohland in diesem Jahr rund 50 Bauwerke sanieren. Zum Teil haben die Arbeiten bereits begonnen – etwa bei der Swinemünder Brücke, die Prenzlauer Berg mit Wedding verbindet. Die 228 Meter lange und 17 Meter hohe Hängebrücke ist seit Sommer für den Autoverkehr gesperrt. Weil die Schäden schlimmer sind als angenommen, sind die Arbeiten, die am 15. Dezember beendet sein sollten, mindestens bis Ende April verlängert worden.

Gearbeitet wird auch bereits an der Jannowitzbrücke in Mitte. Auf dem Erneuerungsprogramm stehen ferner nach Rohlands Angaben unter anderem die Bösebrücke an der Bornholmer Straße, die Neuköllner Brücke an der Neuköllnischen Allee, die Juliusturmbrücke in Spandau, die Charlottenburger Brücke über den Landwehrkanal sowie die Rhinstraßenbrücke am S-Bahnhof Friedrichsfelde Ost. Auch die Ausstattung der beiden Tunnel der Bundesallee nach EU-Sicherheitsvorschriften gehört zum Brückenprogramm des Senats. Ungelöst sind auch weiter die Probleme mit den Straßenbahngleisen auf der Warschauer Brücke in Friedrichshain.

Beim Zustand der Brücken gebe es „keine auffällige Verschlechterung“, sagte Rohland. Die Sicherheit sei gewährleistet. Was erforderlich sei, werde auch gemacht. Viele der Brücken in Berlin stammten noch aus den 20er Jahren. Reparaturen seien daher „normal“. Sanierungsbedürftig sind aber auch oft die Spannbetonbauten aus den 60er Jahren. Und dabei müssen die Experten auch mit unangenehmen Überraschungen rechnen. So wollte die Stadtentwicklungsverwaltung im vergangenen Jahr die Spandauer-Damm-Brücke sanieren lassen. Als rund 1,3 Millionen Euro verbaut waren, stellte man fest, dass die Brücke nicht mehr zu retten ist. Sie muss durch einen Neubau ersetzt werden, der 11 Millionen Euro kosten soll. Die Arbeiten beginnen nach Abschluss der Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer.

Der größte Brocken soll dann 2007 kommen: die Sanierung der Rudolf-Wissell-Brücke auf der Stadtautobahn in Charlottenburg. Etwa 220 000 Autos fahren täglich über das fast 930 Meter lange Bauwerk. Die Arbeiten sollen insgesamt rund ein halbes Jahr dauern. Jeweils eine Hälfte der Brücke wird dann für den Verkehr gesperrt; Autofahrer müssen sich dann die andere Brückenseite im Gegenverkehr teilen. Hier erwarten die Planer erhebliche Staus.

Dass die Rudolf-Wissell-Brücke saniert werden muss, ist schon seit Jahren klar. Bereits 2000 musste sie für den Neubau der Charlottenburger Schleuse besonders gesichert werden. Zeitweise war auch ein Abriss und Neubau erwogen worden – wie vor Jahren bei den Schmargendorfer Autobahnbrücken.

Im vergangenen Frühjahr war das Bauwerk aufwändig untersucht worden; unter anderem entnahm man auch Betonproben. Denn bereits 2000 hatten die Prüfer den Zustand so beurteilt: „Gebrauchstauglichkeit zurzeit erfüllt, aber geringe Reserven im Material, Beton spröde“.

Durch die inzwischen vorhandenen Schlaglöcher und Risse dringt Feuchtigkeit in die Konstruktion ein, was den eingebauten Stahl rosten lässt. Lange kann man die Sanierung nicht mehr aufschieben. Einen exakten Termin gibt es aber noch nicht. Klaus Kurpjuweit

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