Berlin : Viele Drogen, wenig Arbeit - Leben in der Justizvollzugsanstalt Tegel

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Ronnys Geschichte ist nicht typisch für die Gefangenen der Justizvollzugsanstalt Tegel, der größten deutschen Knast-Stadt mit 1650 Einwohnern. Ronny hat eine Ausbildung als Industriekaufmann, Geld und Arbeit. Damit lässt sich der graue Anstaltsalltag um einiges erträglicher gestalten. In den Betrieben der JVA - dazu gehören Schlosserei, Schneiderei, Malerei, Kfz-Werkstatt, Küche - gibt es nur für rund die Hälfte der Insassen Arbeit. Die anderen verbringen den Tag überwiegend in ihrer Zelle oder bekämpfen die Zeit mit Kraftsport.

Ohne Arbeit wird auch das Geld knapp. Es blüht der Tauschhandel mit Lebensmitteln und Drogen, die von draußen herein geschmuggelt werden. Rund 70 Prozent der Häftlinge nehmen regelmäßig Tabletten oder hängen an der Nadel. Wegen Überbelegung und Personalmangel gibt es nicht genügend Therapie- und Ausbildungsplätze. Allein auf sich gestellt, setzen viele Häftlinge auf "private Weiterbildung". "Hier kommen Leute wegen Fahrens ohne Führerschein herein, und wenn sie herauskommen, können sie Banken knacken." Jörg K. ist selbst Spezialist für schnelle Bankgeschäfte und sitzt bereits zum zweiten Mal in Tegel. Erst zwei, dann fünf - "beim nächsten Mal gibt es zehn Jahre." Seinen Freunden draußen sagt er dann, er gehe ins Ausland. Nach dem ersten Tegel-Aufenthalt machte er sein Abitur nach - jetzt studiert er an der Fernuni Hagen Philosophie und Recht. Dass er trotzdem kaum Chancen auf einen Job hat, ist ihm klar. Im März 2001 kommt er raus. Wenn dann nichts klappt, könne er nicht ausschließen, ein drittes Mal "was zu drehen." Früher hat er noch Skrupel gehabt, heute schreckt ihn Kriminalität nicht mehr. Und die Zeit danach in Tegel auch nicht.

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