Berlin : Viele, viele bunte Wahlplakate (Glosse)

Eva Schweitzer

Grün sind die Bäume, blau der Himmel, bunt die Obststände der vietnamesischen Händler. An der Schönhauser Allee leuchtet, in kontrastreichem schwarz-weiß, ein Plakat mit der Addams Family: Morticia mit ihren langen schwarzen Haaren, ihr Mann Gomez und Onkel Vesper. Ach nein, es sind Marion Seelig und zwei Herren von der PDS. Es ist Wahlkampf in Berlin.

Daneben hängt Otto auf grünem Grund. Otto ist "grün und gut", wer zum Teufel Otto auch immer sein mag. Auch eine Königin mit grünen Lippen wirbt für die Grünen. Auf einem anderen Plakat zeigt sich eine Königin mit weißen Lippen, die Amidala heißt oder so. Die FDP wirbt mit Westerwelle.

Die SPD-Plakate sind blau. Wahrscheinlich die neue Farbe der Sozialdemokratie: Blau ist die Hoffnung, Schröders Augen - mindestens eines - das Meer, der Himmel, der Rausch, für den man dankbar ist, wenn man demnächst am späten Abend aus der Kneipe wankt und in ein Plakat taumelt, auf dem ein CDU-wählender Bär ein Gänseblümchen kaut. Der Herr mit der Glatze, der Mäuse für die Schulen verteilt und will, dass unser Platz so aussieht wie der Potsdamer Platz, wird nun aus dem Stadtbild verschwinden. Dafür kommt Diepgen, der jetzt nicht mehr rennt, sondern eher alt aussieht. Aber immer noch jünger als Biedenkopf.

Auch Marco ist fort. Marco war 20 Jahre alt und machte sich Sorgen, ob er in 45 Jahren noch Rente kriegt, deshalb wählt er PDS. Lieber Marco: Versuch es doch mit Lucasfilm-Aktien. Dann sorgt Königin Amidala für deine Rente. Falls Gregor Gysi es nicht tut.

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