Berlin : „Viele waren verängstigt“

Wie Franziska Berge den Schulalarm erlebte

Sie sind Gesamtschülersprecherin am OSZ Handel in Kreuzberg und waren gestern an der Schule. Wie haben Sie von dem Alarm erfahren?

Als ich kurz nach neun Uhr zum Haupteingang kam, wurde ich bereits von einem Polizisten aufgefordert, das Gebäude und das Gelände zu verlassen und auf die andere Straßenseite zu gehen. Dort hatten schon Polizisten die Straße gesperrt. Da ich die Schule durch einen Hintereingang betreten hatte, war mir vorher auch nichts aufgefallen. Von einem Journalisten erfuhr ich dann, dass sich ein bewaffneter Mann im Gebäude aufhalten soll.

Was passierte anschließend?

Ich bin dann um die Schule herum gegangen, da ich auch in einem Nebengebäude Unterricht gehabt hätte. Dort traf ich eine Lehrerin, die gerade angekommen war und auch noch nichts wusste. Aber kurz darauf ertönte schon der Feueralarm. Ich bin daraufhin weiter um die Schule gegangen zu der Wiese bei dem Sportplatz, wo wir uns bei Feueralarm versammeln sollen. Dort waren dann auch Klassenkameraden und Lehrer. Es kursierten alle möglichen Gerüchte. Über Megaphon wurden wir schließlich aufgefordert, nach Hause zu gehen und das Gelände weiträumig zu verlassen.

Es waren ja doch sehr viele Schüler auf dem Gelände. Funktionierte das denn reibungslos, dass sie dieses ruhig verlassen konnten?

Wir konnten nur einzeln das Gelände verlassen. Als eine Klassenkameradin einen Polizisten nach dem Grund fragte, sagte dieser, der Täter könnte ja unter uns sein. Wenn so viele Schüler durch ein solches Nadelöhr müssen, dann dauert das schon eine Weile. Inzwischen waren auch die Beamten des SEK da; und ein Hubschrauber kreiste.

Wie war die Stimmung bei Ihren Schulkameraden? Waren sie gelassen oder mitgenommen von der um sie herum herrschenden Aufregung?

Einige wenige empfanden das Ganze vielleicht als eine Abwechslung. Viele andere Schüler waren aber schon verängstigt und verunsichert. Es ist ja auch ungewohnt, so schwerst bewaffneten Polizisten auf dem Schulgelände zu begegnen. Viele sind schon ziemlich fertig nach diesem Vorfall.

Werden Sie heute oder in den kommenden Tagen etwas unternehmen, um noch einmal mit Ihren Mitschülern das Erlebte zu verarbeiten?

Natürlich wird heute darüber in der Schule diskutiert werden. Mein Mit-Schülersprecher und ich werden auf jeden Fall auch noch eine Stellungnahme dazu abgeben.

Die Fragen stellte Sigrid Kneist

Franziska Berge (23) ist Gesamtschülersprecherin am OSZ Handel in Kreuzberg.
Sie ist dort seit diesem Schuljahr Schülerin und will im kommenden Jahr ihr Abitur machen.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben