Berlin : Vier Monate Haft für den rückfälligen Täter

Peter Murakami

Als die Richterin am Mittwoch vor dem Amtsgericht das Vorstrafenregister von Marko R. vorlas, musste sie ganz tief Luft holen. Denn die Masse der Diebstahlsdelikte, die sich wie ein roter Faden durch das Leben des 28-Jährigen ziehen, ist selbst für Juristen nicht alltäglich. Diesmal musste sich der arbeitslose Forstarbeiter wegen des Diebstahls von zwei Paar Socken und des versuchten Diebstahls einer Fahrradbremse verantworten.

Am 20. April 1999, so die Anklage, soll Marko R. bei C&A in Neukölln zwei Paar Herrensocken im Wert von 16 DM entwendet haben. Als er beim Verlassen des Kaufhauses von einem Ladendetektiv aufgefordert wurde, zur Klärung des Sachverhaltes mit ins Büro der Sicherheitsabteilung zu kommen, schlug und trat er um sich. Doch der Übermacht der rasch herbeieilenden Verkäufer, die noch durch zwei Mitglieder der Freiwilligen Polizeireserve verstärkt wurde, hatte der ertappte Straftäter nichts entgegenzusetzen.

Ein weiterer Punkt in der Anklage war der Versuch des Mannes, auf einem Hinterhof in der Schöneberger Winterfeldtstraße die Hinterradbremsen eines Fahrrades zu stehlen. Weil er bei der Demontage der Teile von einem Bewohner des Hauses beobachtet wurde, gab er das kriminelle Vorhaben auf. "Es trifft alles so zu, wie die Frau Staatsanwältin vorgelesen hat", räumte er reumütig ein.

Auf die Frage der Staatsanwältin, was er denn mit der Bremse vorgehabt habe, antwortete er mit einem Zitat aus dem Diebstahlsparagraphen: "Ich wollte sie für mich verwenden."

"Waren Sie denn durch Sucht oder eine Drogenproblematik in besonderer Geldknappheit?"

"Nein. Bei mir ist ständig das Geld knapp gewesen."

Einer der als Zeugen geladenen Freizeitpolizisten erschien in Uniform zum Termin. Sein Kollege kam in Zivil. Dafür fiel er durch seine präzise Ausdrucksweise auf. "Meiner Wahrnehmung nach wollte der Angeklagte nicht namhaft bekannt werden und wollte sich deshalb der Identitätsfeststellung entziehen," sagte der 46-jährige Reservepolizist. Damit bewahrte er Marko R. vor einer schwerwiegenderen Anklage, Raub nämlich. Dementsprechend wies die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer darauf hin, dass Marko R. mit seiner Gegenwehr nach dem Sockendiebstahl zwar auch den Tatbestand der Nötigung, nicht aber den des räuberischen Diebstahls erfüllt habe. Denn mit seiner Gegenwehr sei es ihm nicht um die Socken gegangen. Vielmehr habe er sich den drohenden Konsequenzen der Tat entziehen wollen. Sie beantragte deshalb wegen Diebstahls in einem minder schweren Fall und Nötigung eine Strafe von vier Monaten.

"Seien Sie bitte nicht so hart", bat Marko R. die Richterin in seinem Schlusswort. Sie folgte dennoch dem Antrag der Anklagevertreterin und verurteilte ihn zu vier Monaten Haft.

Eine Bewährungsstrafe kam nicht in Betracht, weil Marko R. bereits eine mehrmonatige Gefängnisstrafe in anderer Sache verbüßt.

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