• Vier neue kranke Senioren Epidemie im Heim weitet sich aus – Ärzte: Virus grassiert in Berlin

Berlin : Vier neue kranke Senioren Epidemie im Heim weitet sich aus – Ärzte: Virus grassiert in Berlin

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Zwei Tage nach den rätselhaften Massenerkrankungen in einem Altenwohnheim in BerlinLankwitz befinden sich immer noch 31 Senioren im Krankenhaus. In der Nacht zum Sonntag seien weitere vier Bewohner des Wohnheims mit Magen-Darm-Beschwerden in Kliniken gebracht worden, sagte die Pflegedienstleiterin des Wohnheims, Bettina Stange. Außerden wurden zehn bis 15 Bewohner wegen Übelkeit und Magenbeschwerden ambulant behandelt – und sechs weitere Mitarbeiter des Heims an der Kaulbachstraße meldeten sich wegen der gleichen Symptome krank.

Insgesamt sind damit über 50 Menschen von der Epidemie in dem Altenheim betroffen. Die neuen Fälle kamen aus einem dritten Wohnbereich des Heims, der zuvor noch nicht von der Epidemie erfasst gewesen war. Die meisten Betroffenen seien aber auf dem Weg der Besserung, so Stange.

Wie berichtet, hatte der Rettungsdienst bei Einsätzen in den Nächten zu Freitag und Samstag die erkrankten Senioren aus dem Heim abgeholt und in verschiedene Kliniken gebracht, wo sie wegen des Salz- und Flüssigkeitsverlustes Infusionen bekommen. Laut Polizei deutet alles auf eine Virus-Infektion hin, verdorbene Lebensmittel schließen die Ermittler weitgehend aus.

Den Virus-Verdacht stützen auch die Erfahrungen etlicher niedergelassener Internisten in Berlin. Auf Anfrage bestätigten sie gestern, dass Patienten zur Zeit auffällig oft über Erbrechen, Übelkeit und Durchfall klagen. „Das geht seit zwei Wochern in Berlin um“, sagt der Moabiter Internist Frank Schlote. Und Professor Heinz Zeichhardt vom Institut für Virologie am Benjamin-Franklin-Klinikum bestätigt: „Derzeit sind solche Erreger unterwegs.“

Ohnehin sei der Herbst mit seinen plötzlichen Wechseln von warm zu kalt „die typische Jahreszeit“ für derartige Erkrankungen. An einem Ort, wo viele Menschen zusammen leben, breiteten sie sich naturgemäß schnell aus. Ältere Menschen seien am härtesten betroffen, weil sie der starke Flüssigkeits- und Salzverlust am ehesten gefährden könne.

Auch die Heimleitung geht inzwischen von einer Virus-Erkrankung aus, „da auch Angehörige erkrankt sind, die nicht bei uns gegessen haben“, sagte Heimleiterin Stange gestern dem Tagesspiegel. Mit den Ergebnissen der Stuhlproben rechnet sie ebenso wie die Polizei frühestens im Verlauf des heutigen Montag.

Die Küche des Heims, in der man drei mit Lebensmitteln gefüllte, aber ausgeschaltete Kühlschränke gefunden hatte, war bereits am Freitag vom Gesundheitsamt wieder freigegeben worden. Das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf prüft den Fall. fk/suz/cs

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