Berlin : Vier Stunden eingesperrt: Fahrgäste klagen

ICE war zwischen Zoo und Spandau liegen geblieben. Bahnvorstand will heute Konsequenzen beraten

Klaus Kurpjuweit

Das vierstündige Einsperren von rund 600 Fahrgästen in einem ICE der Bahn, der nach einem Defekt liegen geblieben war, beschäftigt jetzt auch dìe Staatsanwaltschaft. Mehrere Fahrgäste haben eine Strafanzeige erstattet – wegen des Verdachts der Körperverletzung, der Freiheitsberaubung und wegen unterlassener Hilfeleistung.

Der ICE war, wie berichtet, am 30. April kurz nach 20 Uhr nahe dem S-Bahnhof Heerstraße wegen einer defekten Bremsanlage liegen geblieben. Das Abschleppen des Zuges zog sich über vier Stunden hin. Erst gegen Mitternacht konnten die Fahrgäste in Spandau mit einem Ersatzzug weiterfahren. Die Bahn ließ die Fahrgäste nicht auf freier Strecke aussteigen, weil sie nach Ansicht der Verantwortlichen durch die benachbarten Stromschienen der S-Bahn gefährdet worden wären. Zudem bestehe beim Laufen über die Schottersteine der Gleise eine Stolper- und damit eine Verletzungsgefahr.

Seine Mandanten, die sportlich seien, hätten den Zug verlassen, wenn die Bahn dies ermöglicht hätte, sagt Anwalt Heinrich Weber. So aber mussten sie wie alle anderen im Zug ausharren, in dem nach Abschalten des Stroms auch die Klimaanlage sowie die Toiletten ausgefallen waren. Fenster lassen sich im modernen ICE nicht öffnen. Seine Mandanten hätten Beklemmungsgefühle bekommen, so der Anwalt weiter. Zudem habe es in Teilen des Zuges stark gestunken, weil die Toiletten benutzt worden seien, obwohl sie nicht funktioniert hätten. Dies habe das körperliche Unwohlsein der Fahrgäste verstärkt. Hinzu gekommen seien Angstgefühle, weil völlig unklar gewesen sei, wie lange die „Gefangennahme“ im Zug dauere.

Die Bahn hat aus dem Einsperren der Fahrgäste noch keine Konsequenzen gezogen. Heute will sich nach Informationen des Tagesspiegels der Vorstand damit beschäftigen. In dem Zug sollen auch Politiker gesessen haben, die auf der Heimreise ins Wochenende waren. Auch zu der Ursache des Bremsdefekts gibt es keine Angaben. Die Prüfungen seien noch nicht abgeschlossen, sagte Bahnsprecher Gisbert Gahler.

Nach bisherigen Vermutungen, zu denen Gahler sich gestern noch nicht äußern wollte, haben die Bahnmitarbeiter im Zug versucht, eine verstopfte Toilette zu reparieren. Dabei sei Abwasser in den Wagenkasten geflossen, wo es zu einem Kurzschluss gekommen sein soll. Deshalb habe man die Bremsen nicht mehr lösen können. Toiletten im ICE 2 seien im Übrigen häufig verstopft, weil das Abwasserrohr einen zu kleinen Durchmesser habe.

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