Berlin : Vinyl plus Klamotten

In Kreuzberg steigt die Börse „Kuchenplatte“.

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Die drei von der Börse. „Kuchenplatte“-Initiatoren Roskow Kretschmann, Marc Hype und Jannis Stürtz (v. li.). Foto: Doris S.-Klaas
Die drei von der Börse. „Kuchenplatte“-Initiatoren Roskow Kretschmann, Marc Hype und Jannis Stürtz (v. li.). Foto: Doris S.-Klaas

Natürlich Vinyl. Kam nichts anderes infrage für die vier als die schwarzen Scheiben. Marc Hype steht als Hip-Hop-DJ seit 1988 an den Plattenspielern und war DJ-Weltmeister, auch Mitch Alive steht seit Jahren an den Reglern. Roskow Kretschmann war lange Zeit Mitglied des Produzententeams Jazzanova, und Jannis Stürtz jobbte schon als Schüler im Plattenladen, heute ist er Chef des kleinen Labels Jakarta Records. Jeder der vier hat mehrere tausend Platten zu Hause. „So zwischen 3000 und 6000. Ist aber nur geschätzt, niemand von uns zählt die wirklich“, sagt Stürtz. „Vinyl ist kein jüngerer Trend, sondern das Format unserer Wahl.“ Also gründeten sie die Plattenbörse „Kuchenplatte“. Damit da auch Szeneleute und nicht nur eingefleischte Sammler kommen, verkaufen dort auch Modelabels und Klamottenläden. Kuchen gibt’s natürlich auch. Am Sonntag ist die zweite Kuchenplatte im Kreuzberger Club „Gretchen“.

„Die Leute sollen Kuchen essen, Musik hören, Freunde treffen“, sagt Stürtz. Und natürlich Geld da lassen. Gewinne werfe der neue Szenemarkt nicht ab. „Wir haben da einfach Bock drauf“, sagt Stürtz. Und irgendwie war das auch aus der Not geboren. „Wir sind mit Hip-Hop und elektronischer Musik groß geworden, auf klassischen Plattenbörsen waren wir wenig repräsentiert“, sagt Stürtz. Im Gretchen verkaufen sie selbst, was sie nicht mehr brauchen. Andere DJs, Plattensammler und Händler haben Kisten voll Rap und Funk, House, Electro und Reggae, Klamottenläden und junge Modedesigner verkaufen ihre Stücke. Jeder Berliner kann sich anmelden, um loszuwerden, was daheim nur noch verstaubt. „Sonst sind Plattenbörsen ja eine nerdige Männerveranstaltung“, sagt Stürtz, mit älterem Publikum. „Wir wollen die Coolness reinbringen.“ Ins Gretchen kommen auch junge Frauen und Szenegänger.

Was klingt wie ein typisches Berlinding, kommt eigentlich aus dem Rheinland. Zwei DJs aus Köln starteten das Konzept vor vier Jahren, hörten aber auf, weil die Suche nach einem geeigneten Ort immer schwieriger wurde. Der Wahlneuköllner Stürtz importierte die Idee aus der alten Heimat. Anfang des Jahres tat er sich mit seinen drei Mitstreitern zusammen, im April standen dann Plattensammler und Klamottendealer erstmals nebeneinander. 800 Gäste seien gekommen. Drei bis vier Mal im Jahr soll es den Markt nun geben, bei gutem Wetter auch im Innenhof des Clubs. Und immer mit einigen Verkäufern, die man nicht unbedingt erwartet. Wie Melanie Benteler, die die vom Jahrmarkt bekannten Lebkuchenherzen nach Wunsch mit süßer Zuckerschrift verziert.Christoph Spangenberg

Kuchenplatte, Sonntag 12-20 Uhr im Gretchen, Obentrautstr. 19-21, Kreuzberg. Eintritt: 2 Euro, www.kuchenplatte.de

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