Berlin : Virchow-Personalrat sieht 4000 Stellen gefährdet

Zustimmung zum Expertengutachten Medizin kippt / Ärztlicher Direktor äußert Zweifel – Gesamtkonzept nicht ausgereift

Bärbel Schubert

Gegen die Empfehlungen des Expertengutachtens zur Zukunft der Berliner Hochschulmedizin regt sich nun doch erheblicher Widerstand. Der Ärztliche Direktor der Charité, Manfred Dietel, meldete nach eingehender Prüfung des Gutachtens deutliche Zweifel an. „Wir haben Bedenken, ob die Einsparsumme von 98 Millionen Euro mit den Vorschlägen tatsächlich erbracht werden kann", sagte Dietel am Mittwoch dem Tagesspiegel. Unterdessen befürchtet der Personalrat der Charité Mitte und des Virchow-Klinikums, dass durch die Fusion bis zu 4000 Stellen an beiden Standorten wegfallen.

Vieles in dem Gutachten scheine nicht ausgereift, meinte Dietel. Die Gesamtökonomie der Charité werde zu wenig berücksichtigt: „Wenn wir mit den Einsparungen bei der Forschung auf der anderen Seite große Lücken in der Finanzierung der Krankenversorgung reißen, macht das alles keinen Sinn."

Probleme sieht Dietel auch bei den Umzugskosten für die fusionierten Bereiche. „Wenn man den Umzug ganzer Fachbereiche plant, muss man auch sagen, woher das Geld kommt." Das Ganze lohne nur, wenn es auch sicher zu Einsparungen führe.

Als ganz prekär beurteilt der ärztliche Direktor die von den Experten vorgeschlagene neue Leistungsstruktur. Das fusionierte Klinikum soll eine selbstständige Anstalt öffentlichen Rechts werden und damit mehr Entscheidungsbefugnisse erhalten als bisher. Zwei Vorstände sollen durch einen hauptamtlichen Direktor und einen Dekan gekoppelt werden. Ihnen steht ein Kuratorium zur Seite. „Diese Leitungsstrukturen sind nicht ausgereift", moniert Dietel. Es müsse klar sein, wer letztlich die Entscheidung treffe. Ansonsten würden diese verschleppt, wenn es in den Gremien unterschiedliche Interessen gebe. In zwei bis drei Wochen soll nun eine dezidierte Stellungnahme vorliegen.

Der Personalrat will mit allen Mitteln gegen die Schließung des Rudolf-Virchow-Klinikums als Forschungsstandort mobil machen. „Wir glauben, dass das die schlechteste Lösung ist", kritisierte der Vorsitzende des Personalrats, Ingo Zeplien, die Empfehlungen. Bei deren Umsetzung könnten bis zu 4000 Stellen in Krankenpflege und Forschung wegfallen. An den beiden Standorten der Charité sind bisher rund 9000 Menschen beschäftigt.

Auf diese große Zahl gefährdeter Stellen kommt der Personalvertreter, weil durch die Fusion mit dem Klinikum Benjamin Franklin auch am Standort Charité Personalstellen wegfallen. 1300 Betten im Klinikbereich sollen nach dem Votum an allen Standorten gestrichen werden. Pro Bett rechne man eine bis drei Stellen. „Der Grundfehler ist es, die Einsparauflage des Senats in Höhe von 98 Millionen Euro zu akzeptieren“, meint Zeplien. Bei der Belegschaft rege sich Protest. „Wer sich nicht wehrt, hat schon verloren“, habe man auf der Mitarbeiterversammlung gehört. „Natürlich werden wir für Proteste mobilisieren, wenn sich anders nichts bewegt.“

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