Berlin : Virginias große Nase

In der Schule hat Nicole Kidman Romane wie „Mrs. Dalloway“ immer gehasst. Und die Rolle der Dichterin Woolf hätte sie sich in „The Hours“ sowieso nicht gegeben

Andreas Conrad

Endlich mal eine ehrliche Antwort. „Ich hätte mich für die Rolle der Virginia Woolf nicht besetzt.“ Die übliche Koketterie? Kennt man ja zur Genüge bei den Stars. Aber Nicole Kidman mag heute so gar nicht kokettieren. Nicht, dass sie abweisend wäre, sie lacht ja auch hin und wieder, macht einen Scherz, aber bleibt doch freundlich-distanziert, ernsthaft bis versonnen, eine ganz besondere Mischung aus Zerbrechlichkeit und Strenge. Macht vielleicht auch die Brille.

Nicht Virginia Woolf also. Wer dann? Die Rolle der Hausfrau Laura Brown, die dann in „The Hours“ von Julianne Moore gespielt wurde. Nicole Kidman hätte umgekehrt besetzt, sieht es jetzt aber auch als Glücksfall an, etwas gemacht zu haben, von dem sie dachte, es sei eigentlich nicht das Richtige für sie. Und überhaupt, so sei es eigentlich immer bei ihr. „Eine Woche vor Drehbeginn denke ich, dass ich die Rolle doch nicht übernehmen kann, und komme dann mit einer ganzen Liste von Schauspielerinnen, die meiner Meinung nach viel geeigneter sind.“

Bücher haben sie letztlich zur Schauspielerei gebracht. Zuerst war es „Krieg und Frieden“, da war sie noch sehr jung und wollte am liebsten gleich die Rolle der Natascha darstellen. „Ich könnte mich verlieren in Romanen.“ Aber zu Virginia Woolf und ihrem Roman „Mrs. Dalloway“, der dem Film von Regisseur Stephen Daldrey zugrunde liegt, hatte sie vorher nie richtig Zugang gefunden. „In der Schule habe ich Virginia Woolf gehasst, fand sie furchtbar langweilig und liebte mehr Romantisches wie die Bücher der Brontë-Schwestern oder Gedichte von Byron.“ Ohne den Film hätte sie die Romane Virginia Woolfs wohl nicht für sich entdeckt. Und nicht ihre Persönlichkeit, ihr Genie verstanden, dieses ganz besondere „Zusammenspiel aus Intellekt und Zerbrechlichkeit“.

Eine therapeutische Funktion? Nein, die hatte die Rolle als Virginia Woolf sicher nicht. Aber dass sie mit der Trennung von Tom Cruise in eine Lebensphase geriet, in der sie offen genug dafür war, gibt sie dann aber doch zu. Wie der Mann ihrer Zukunft aussehen soll? Sie hat nicht die geringste Ahnung. Nur soviel: „Ein Mann muss mich zum Lachen bringen.“

Lange musste sie für Virginia Drehtag um Drehtag in der Maske sitzen, damit man sie dem berühmten Vorbild annähere, einschließlich der ausgeprägten Nase. Aber mehr will sie über ihre Verwandlung von Nicole zu Virginia eigentlich nicht sagen. Auch wenn es nur eine künstliche Nase ist – es hängt doch zusammen mit dem Geheimnisvollen, eine Rolle zu gestalten. Die üblich gewordenen „Making of …“-Filme mag sie gar nicht. Denn immer nur erklären und zeigen zu wollen, zerstöre doch alles. „Die Magie geht verloren.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben