Berlin : Visionär des Mauerfalls

Jubel und Randale begleiteten Reagans Besuche

Elisabeth Binder

Der 12. Juni 1987 war ein heißer, sonniger Tag, und der Tiergarten rund ums Brandenburger Tor war weiträumig abgesperrt. Dorthin, wo Ronald Reagan seine Geburtstagsrede zum 750-jährigen Bestehen der Stadt Berlin halten sollte, durften nur ausgewählte Gäste. Die meisten waren Fans des US-Präsidenten und hatten sich ihre schönsten Sommersachen angezogen. Was er dann sagte, klang visionär, aber so unwahrscheinlich, dass es nicht mal richtig überraschend wirkte. „Mr.Gorbachev, open this gate! Mr. Gorbachev, tear down this wall!“ Er war ein faszinierender Redner, und auch wenn für die meisten Anwesenden diese Vision damals schlicht nicht vorstellbar war, lief einem doch ein Schauer den Rücken runter, als er auf das Tor deutete, das er offen sehen wollte. Am Ende bekam jeder Gast ein schriftliches Exemplar der Rede mit auf den Weg. Man war sich einig: Wunderschön gesagt, aber daraus wird doch in fünfzig Jahren nichts.

Auf dem Heimweg konnten die Gäste die Sirenen der Polizeiwannen wieder deutlicher hören, die während der Rede irgendwie ausgeblendet schienen. Ronald Reagan, der so charismatisch die Menschen in seinen Bann ziehen konnte, war auch ein großer Polarisierer. Bereits im Juni 1982 hatte er unter dem Beifall von 30 000 geladenen Gästen im Garten des Schlosses Charlottenburg auf die unverrückbare amerikanische Solidarität für West-Berlin hingewiesen: „Unsere Freiheit ist unteilbar.“ Er wollte auch das Risiko eines nuklearen Konflikts verringern: „Ich bin entschlossen, alles nur Mögliche zu tun, unserer Zivilisation die Katastrophe eines Atomkriegs zu ersparen.“ Es gab das andere Berlin, das ihm nicht glaubte. Bereits im Vorfeld des Besuchs hatten mehrere zehntausend Menschen für den Frieden demonstriert, es kam zu Ausschreitungen mit Bränden, Plünderungen, Barrikaden, etwa 300 Verletzten und 250 Festnahmen.

Fünf Jahre später, 1987, war auch deshalb die Atmosphäre bereits im Vorfeld sehr angespannt. Obwohl die später heftigst kritisierten Behörden vorsichtshalber ganz Kreuzberg abriegelten und die U-Bahn-Verbindung stundenlang unterbrachen, gab es wieder Verletzte und rund 300 Festnahmen. Ronald Reagan bekam davon wohl nicht viel mit. Er beendete seinen Besuch mit einer Geburtstagsparty auf dem Flughafen Tempelhof.

Im September 1990 kam er noch einmal zurück. Mit Ehefrau Nancy an seiner Seite, die zum roten Kostüm ihr berühmtes ergebenes Lächeln trug, ging er durchs Brandenburger Tor und betätigte sich anschließend als Mauerspecht. Und dann machte er ein erstaunliches Geständnis. Ja, auch er sei überrascht gewesen, dass die Mauer schließlich so rasch gefallen sei...

Junge-Reyer erwartet

Vorschrift für Dobli-Spiegel

Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) erwartet, dass das Bundesverkehrsministerium demnächst Dobli-Spiegel gegen den toten Winkel an Lastwagen vorschreiben wird. „Ich habe sehr gute Nachrichten aus dem Verkehrsministerium“, sagte die Senatorin am Rande der Fahrrad-Sternfahrt. Der Druck aus Berlin und Brandenburg habe das skeptische Ministerium offenbar umgestimmt. Mitte Juni will sie erneut über das Thema verhandeln. obs

BDI tagt im Palast der Republik

Der Palast der Republik wird zum Konferenzort. Am 15. Juni veranstaltet der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) dort seine Jahrestagung.Vor zwei Jahren fand das Treffen im früheren DDR-Staatsratsgebäude statt, und 2000 war ein Bahnhof der Baustelle Kanzler-U-Bahn Konferenzort. „In Mitte gibt es keinen Ort, wo man mehr als 1000 Leute unterbringen kann“, sagte Sprecher Albrecht von der Hagen. ddp

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