Berlin : Vivaldi? Wie neu!

Die Restaurierung des Stifts Neuzelle an der Oder geht voran. Diesen Sommer gibt es Barockklänge in romantischer Kulisse.

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Wunder an der Oder. Die Pracht der katholischen Stiftskirche von Neuzelle ist einmalig in Brandenburg. Fotos: Claus-Dieter Steyer
Wunder an der Oder. Die Pracht der katholischen Stiftskirche von Neuzelle ist einmalig in Brandenburg. Fotos: Claus-Dieter Steyer

Neuzelle – Kaiser in Rom oder doch lieber erotische Abenteuer mit der Geliebten? Diesen Konflikt können Besucher des einstigen Klosters Neuzelle ab der nächsten Woche in romantischer Kulisse verfolgen. Im Kreuzhof des Klosters an der Oder, gleich in der Nachbarschaft der als „Barockwunder der Mark“ gerühmten katholischen Stiftskirche, kommt Antonio Vivaldis 1713 geschriebene Oper „Ottone in Villa – Macht oder Liebe“ an mehreren Abenden unter freiem Himmel zur Aufführung.

Da stören dann auch nicht die Gerüste an den jahrhundertealten Mauern, zeugen sie doch vom bislang größten Restaurierungsprogramm in der langen Geschichte der Anlage, die zu den größten unzerstörten Ensembles in ganz Europa zählt. „Wir verbauen bis 2018 weitere rund 28 Millionen Euro“, sagt Antje Zimdars-Weigelt von der 1996 ins Leben gerufenen „Stiftung Stift Neuzelle.“ In den vergangenen Jahren seien bereits 21 Millionen Euro von Bund, Land und EU hier investiert worden. Das Jahr 2018 ist für den geplanten Abschluss der Arbeiten nicht zufällig gewählt worden. Dann jährt sich die Gründung des Klosters zum 750. Mal. Aufgehoben wurde es erst 1817, zwei Jahre nach dem Wechsel der Niederlausitz von Sachsen zu Preußen.

Trotz der laufenden Bauarbeiten lohnt sich ein Ausflug nach Neuzelle, nicht nur wegen Vivaldis Oper. Im Mittelpunkt steht natürlich die Pracht der Klosterkirche. Sie sollte einst alle Sinne der Menschen ansprechen. Bis heute kommen die Besucher ins Staunen. Das liegt nicht zuletzt an den vor den Pfeilern gestellten und farbig gestalteten Nebenaltären. Die aus fünf Teilen bestehende Altarreihe wirkt wie eine große Kulisse und verdeckt so den Blick in die Seitenschiffe. So mancher Gast fühlt sich beim Eintritt ins Gotteshaus von den optischen Eindrücken regelrecht erschlagen. Restaurierungschefin Antje Zimdars-Weigelt verrät ein kleines Geheimnis. Auf den ersten Blick sehe der Stuck wie Marmor aus. „Doch es handelt sich nur um Kalkmörtel, der mit Gips, Leim und Farbe überzogen wurde.“ Lediglich der Taufaltar besteht aus echtem Marmor.

Natürlich fehlt es auch nicht an Legenden und Geschichten. So sollen die Mönche einst einen Gang zur nahen Klosterbrauerei benutzt haben. Auch zur einstigen Pfaffenschänke im weiter entfernt liegenden Ort Coschen waren die Brüder angeblich unterirdisch unterwegs.

Während die Arbeiten in der katholischen Kirche schon abgeschlossen sind, sind diese in der nahen evangelischen Stiftskirche zum Heiligen Kreuz noch im Gange. Die Fortschritte lassen sich am besten von der großen Parkanlage zu Füßen des Klosterbergs erkennen. Die einst grauen Außenmauern strahlen mittlerweile hell in die Landschaft.

Die katholische Stiftskirche ist immer montags bis freitags von 10 bis 12 und von 13 bis 17 Uhr und am Wochenende von 11 bis 16 Uhr geöffnet. Während der Gottesdienste bleibt sie den Gläubigen vorbehalten. Die Oper „Ottone in Villa – Macht oder Liebe“ wird vom 11. bis 20. Juli jeweils ab 20 Uhr gezeigt, lediglich am 15. Juli ist Pause. Weitere Informationen im Internet unter den Adressen www.operoderspree.de und www.stift-neuzelle.de

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