Berlin : Vivantes-Gutachter: Krankenhaus Hellersdorf unverzichtbar

„Berlin drohen Ausgaben in Millionen-Höhe. Entschuldung und Sanierung des Klinikkonzerns wären gescheitert“

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Vor drei Wochen hatte der Berliner Senat von VivantesChef Wolfgang Schäfer den Nachweis gefordert, dass der Standort Hellersdorf für den landeseigenen Klinikkonzern unverzichtbar sei. Wie berichtet, plant Schäfer, für 46,5 Millionen Euro einen Neubau für das marode, auf zwei Standorte verteilte Krankenhaus zu errichten. Doch vor allem der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und der Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (beide SPD) haben Vorbehalte. Berlin habe schon jetzt zu viele Klinikbetten. Heute wird Schäfer der SPD-Fraktion ein eigenes Gutachten präsentieren. In dem Papier, das dem Tagesspiegel vorliegt, rechnet Schäfer die Belastungen für sein Unternehmen wie für das Land vor, wenn er Hellersdorf nicht bauen darf und deshalb das Klinikum aufgeben müsste:

Berlin hätte ein Investitionsrisiko von mindestens 46,5 Millionen Euro zu tragen, um Ersatzkapazitäten in anderen Kliniken dieser unterversorgten Region zu schaffen. Die Krankenhäuser hätten ein Recht auf diese Investitionsförderung. Vivantes hätte im Vorfeld ausdrücklich auf den Landeszuschuss verzichtet.

Vivantes verlöre durch die Schließung des Hellersdorfer Klinikums jährlich bis zu 13 000 Patienten – das sind rund acht Prozent aller in den neun Vivantes-Kliniken behandelten Kranken – und einen Umsatz von 40 Millionen Euro.

Da der Konzern bis 2006 eine Beschäftigungssicherung vereinbart hat, müssten die 1200 jetzt in Hellersdorf Beschäftigten weiterbezahlt werden. Jährliche Kosten: 22 Millionen Euro. 2006 wären betriebsbedingte Kündigungen unvermeidlich.

Die Folge: „Die wirtschaftliche Entwicklung von Vivantes zerbricht“, schreiben die Gutachter. Das heißt, die von Schäfer angestrebte Sanierung des hoch verschuldeten Unternehmens wäre gescheitert – und Berlin bliebe auf mindestens 190 Millionen Euro Altschulden der ehemals städtischen Kliniken sitzen.

Auch Patienten und ihre Angehörigen würden unter der Schließung leiden: Die wohnortnahe Krankenversorgung würde aufgegeben, längere Wege für die Kranken wären die Folge – und das in einer Region, in der rund 265 000 Menschen leben. Außerdem wären 3000 stationär zu behandelnde Psychiatrie-Patienten für ihre Angehörigen schwer erreichbar, weil sie an andere, weiter entfernte Häuser verlegt werden müssten. Ebenso wären 500 ambulant behandelte Patienten gezwungen, sich einen neuen Therapieort zu suchen. I.B.

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