Vivantes-Klinik : Kassenpatient mit gebrochener Hand bekam keinen Termin

Der Vorwurf ist immer wieder zu hören: Wenn es um eine Terminvergabe in einer Facharztpraxis geht, werden Privatpatienten nicht selten bevorzugt behandelt. In Krankenhäusern ist dieses Verfahren unüblich – bisher.

Udo Badelt

Dem Tagesspiegel ist jetzt ein Fall bekannt geworden, in dem ein Patient, der sich beim Fußballspielen die Hand gebrochen hatte, von seinem niedergelassenen Arzt an die Abteilung für Handchirurgie des Auguste-Viktoria-Krankenhauses überwiesen wurde. Zwei Mal versuchte er vergeblich, bei der städtischen Vivantes-Klinik telefonisch einen Termin zu vereinbaren. „Die Sekretärin fragte mich in beiden Fällen, ob ich privat versichert sei. Als ich verneinte, sagte sie jedes Mal, es sei kein Termin frei, und nannte mir zwei alternative Krankenhäuser“, berichtet der Patient, der Tagesspiegel-Mitarbeiter ist. „Auf meine Gegenfrage, ob ein Termin für mich frei wäre, wenn ich privat versichert wäre, meinte die Sekretärin, dann müsse sie den Professor fragen. Das sei eine Anordnung von ihm.“

Vivantes dementiert, Privatpatienten bevorzugt zu behandeln. Laut Sprecher Uwe Dolderer würde kein Patient, egal ob privat oder gesetzlich versichert, abgewiesen, und beide würden die gleiche Behandlung erhalten. Da das Auguste-Viktoria-Krankenhaus aber über die Kapazitätsgrenzen hinaus ausgelastet sei, könnten zur Zeit nur Notfälle sofort behandelt werden, so Dolderer. Zu dem konkreten Vorfall könne er sich nicht äußern, da der Name des Patienten nicht aufgenommen wurde und telefonische Anfragen nicht im Datensystem des Unternehmens gespeichert werden. In der fraglichen Abteilung würden aber keine Belegärzte arbeiten. Das sind niedergelassene Ärzte, die die angestellten, weisungsgebundenen Ärzte ergänzen und als selbständige Unternehmer Belegbetten mieten. Sie können frei entscheiden, ob sie Privatpatienten bevorzugen.

Nach Angaben der Senatsgesundheitsverwaltung existiert keine offizielle Vorschrift, die städtischen Gesundheitseinrichtungen die Diskriminierung von Patienten verbieten würde. Es sei dennoch „schlimm“, wenn sich bewahrheiten sollte, dass ein landeseigener Krankenhausbetrieb Privatpatienten den Vorrang einräumen sollte, sagte Behördensprecherin Regina Kneiding. Generell sei ihr allerdings kein berlinweiter Trend in diese Richtung bekannt – anders als die Patientenbeauftragte des Senats, Karin Stötzner, die sagt: „Ja, mir wurde zugetragen, dass auch in Krankenhäusern immer häufiger nach der Versicherungsform gefragt wird.“ Bei Arztpraxen müsse man wohl akzeptieren, dass die Ertragssituation eine wichtige Rolle spiele. „Bei einem kommunalen Krankenhaus, dass in nicht unerheblichen Teilen aus öffentlichen Mitteln gefördert wird, sind die Bedingungen aber andere.“ Sollte es einreißen, dass eine Behandlung keine Frage des medizinisch Gebotenen mehr sei, sondern eine des möglichst hohen Ertrages, dann würde die Versorgung in Berlin problematisch werden, so Stötzner.

Der betroffene Patient hat jetzt schon seinen Blick über Berlin hinaus gerichtet. In Zittau bekam er sofort einen Termin – auch als Kassenpatient.

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