Vivantes : Klinik-Plan mit Nebenwirkungen

Der Vivantes-Konzern wird umgebaut. Schließungen sind möglich. Der Tarifkonflikt spitzt sich zu.

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Stärkung des Standortes. Auch das Vivantes Klinikum Neukölln - hier die Rettungsstelle - soll neue Anbeuten bekommen. -Foto: Imago

Der Masterplan zur Umstrukturierung der neun Vivantes-Kliniken steht – und befindet sich doch auf wackligem Fundament. Ginge es nach der Geschäftsführung, sollen bis 2015 vor allem die drei großen Kliniken in Friedrichshain, Neukölln und das Klinikum am Urban umgebaut werden. „Wir wollen aber die Flächen aller neun Standorte um 125 000 Quadratmeter verkleinern“, sagte Geschäftsführer Joachim Bovelet bei der Vorstellung der neuen Pläne. Zudem plant das Unternehmen eine Zusammenarbeit mit der Charité im Südwesten der Stadt, also dem Universitätsklinikum Benjamin Franklin.

Dies betrifft die Vivantes-Standorte Wenckebach-Klinikum und Auguste-Viktoria-Klinikum. Die künftige Kooperation könnte allerdings die Schließung einzelner Abteilungen oder eines ganzen Klinikstandortes bedeuten. Insgesamt sollen 200 Millionen Euro investiert werden. Das Geld soll aus öffentlichen Zuschüssen und Krediten kommen.

Für Patienten könnte sich durch die Umstrukturierungen einiges ändern: Durch Fusionierungen sollen Abteilungen zusammengelegt und Neubauten erstellt werden. Die Hämatologie/Onkologie zum Beispiel mit der Strahlentherapie für Krebserkrankte soll zukünftig im Klinikum in Friedrichshain sein und nicht mehr im Klinikum am Urban. In Neukölln soll eine neue Neuroradiologie-Abteilung entstehen.

Privatpatienten sollen eigene Stationen in den Krankenhäusern Spandau, Reinickendorf, Neukölln und Kreuzberg bekommen. Diese sind den Arbeitnehmerverbänden ein Dorn im Auge. Vivantes hatte in der Vergangenheit immer wieder betont, dass der finanzielle Druck auf die Krankenhäuser durch Kürzungen staatlicher Mittel ständig zunehme. Gleichzeitig investiere der Konzern aber 20 Millionen Euro in neue Abteilungen für die Privatpatienten, kritisieren Arbeitnehmervertreter aus dem Konzern.

Zeitgleich belasten Tarifverhandlungen mit Verdi den landeseigenen Konzern. Rund 12 000 Mitarbeiter hoffen auf die Übernahme des Tarifvertrags des Öffentlichen Dienstes und damit auf Gehaltserhöhungen und Urlaubs- und Weihnachtsgeld, auf das sie seit 2004 teilweise verzichten müssen. „Die Nerven der Beschäftigten liegen blank, die Arbeitsbelastung ist enorm gestiegen“, sagte Verdi-Verhandlungsführerin Heike Spies. „Wenn die Geschäftsführung bei ihrer Forderung bleibt, wird es keinen Tarifabschluss mit uns geben und wir werden uns mit Streik wehren müssen.“ Bovelet gab bei der Vorstellung der Umstrukturierungspläne zu, dass die Verhandlungen mit Verdi „schwierig werden“.

In zwei Wochen beginnt zudem die Lohnrunde mit den Vivantes-Ärzten, die durch ihre Gewerkschaft Marburger Bund mindestens 300 Euro mehr Gehalt im Monat fordern. Schon jetzt leide Vivantes an Medizinerschwund, weil andere Kliniken besser zahlten, sagte Manfred Husmann vom Marburger Bund. Sollte Vivantes sich verweigern, seien Streiks nicht ausgeschlossen. „Die Mitarbeiter sind an ihrer Grenze“, sagte Betriebsratsvorsitzender Moritz Naujock dazu.

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