Vivantes-Klinikum : Chancen für Kreißsaal-TV steigen wieder

Erst vergangene Woche hatte der Senat die umstrittenen Dreharbeiten im Vivantes-Klinikum gestoppt. Nun will der Aufsichtsrat der landeseigenen Klinikkette über eine mögliche Fortsetzung der Aufnahmen beraten.

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Über die Fortsetzung der Dreharbeiten zur RTL-Dokusoap berät am kommenden Dienstag der Aufsichtsrat der Vivantes-Kette.
Über die Fortsetzung der Dreharbeiten zur RTL-Dokusoap berät am kommenden Dienstag der Aufsichtsrat der Vivantes-Kette.Foto: dpa

Der Streit um die Dreharbeiten auf der Entbindungsstation im Vivantes-Klinikum Friedrichshain steht offenbar vor einer Entscheidung. Kommenden Dienstag berät der Aufsichtsrats der landeseigenen Klinikkette auf einer Sondersitzung darüber. Damit steigen die Chancen auf einen Kompromiss zwischen der für RTL arbeitenden Produktionsfirma und Vivantes auf der einen, sowie dem Senat auf der anderen Seite. Dem Aufsichtsrat gehören Vivantes-Vertreter an, die – unter strengen Auflagen – das Drehen wohl erlauben würden.
Im Aufsichtsrat sitzt aber auch Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU). Wie berichtet, hatte Czaja vergangene Woche einen Drehstopp angeordnet. Es bestünden Zweifel, ob die Persönlichkeitsrechte der gefilmten Kinder gewahrt werden. Neugeborene könnten sich nicht gegen die Aufnahme und Ausstrahlung ihrer Geburt wehren. Fraglich sei auch, erklärten Czaja und der Berliner Datenschutzbeauftragte, ob die Rechte der Hebammen und Ärzte, die nicht gefilmt werden möchten, im Klinikalltag tatsächlich beachtet werden könnten. Umstritten ist auch, ob die Vivantes-Leitung den Aufsichtsrat bei einem solchen Vorhaben um Einverständnis hätte bitten müssen.
In einem Teil der Geburtsstation im Friedrichshainer Klinikum sind seit drei Wochen 27 Kameras installiert, um Geburten zu filmen, wenn Eltern und Mitarbeiter schriftlich eingewilligt haben.

Die von RTL geplante Sendung „Babyboom – Willkommen im Leben“ ist Formaten in anderen Ländern ähnlich, die dort ein Erfolg gewesen sein sollen. Sollten sich die Produktionsfirma Shine Germany und der Senat nicht einigen, dürften Zehntausende Euro als Schadenersatz fällig werden. Shine Germany und Vivantes haben einen Vertrag. Die TV-Firma will zur Sondersitzung auch eine Vorabfassung des Filmmaterials zeigen, um etwaiger Kritik zu begegnen. „Uns überrascht, dass wir ausgerechnet bei diesem Format Ärger bekommen“, sagte Axel Kühn, Geschäftsführer der Firma. Die Sendung sei inhaltlich und rechtlich gut geplant.

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