Vivantes Klinikum : "Die Stimmung ist mies"

Im Februar fiel die Entscheidung des Aufsichtsrates: Das Vivantes Klinikum Prenzlauer Berg an der Fröbelstraße wird geschlossen. Die Mitarbeiter fürchten um ihre Arbeitsplätze.

Liva Haensel

In dem Gebäude Haus soll bis 2011 ein ambulantes Ärzte-Zentrum entstehen. Das rote Backsteingebäude mit 211 Betten „sei langfristig aus ökonomischen Gründen als kleinstes Haus nicht sinnvoll zu führen“, sagt Unternehmenssprecher Uwe Dolderer. Die 28 Mitarbeiter – 68 Ärzte und 127 Pflegekräfte – müssten aber den Verlust ihrer Arbeitsplätze nicht befürchten. Vielmehr verspricht Dolderer ihnen die große Auswahl: „Sie können entweder im ambulanten Zentrum Prenzlauer Berg bleiben oder sie gehen in das drei Kilometer entfernte Klinikum Friedrichshain oder in ein anderes Vivantes-Haus.“

In der Pressemitteilung des Konzerns, dem neun Kliniken angehören, heißt es „Klinikum Prenzlauer Berg und Klinikum Friedrichshain rücken enger zusammen.“ Von Umstrukturierungen ist die Rede. Doch der Betriebsrat und die Gewerkschaft Verdi befürchten, dass dadurch 100 Arbeitsplätze wegfallen werden. Welche medizinischen Bereiche in Prenzlauer Berg noch angeboten werden sollen, steht noch nicht fest.

Wer stationär aufgenommen werden müsse, könne in das nahe gelegene Klinikum Friedrichshain an der Landsberger Allee fahren. Die Mitarbeiter des kleines Krankenhauses, das gut ausgelastet ist und laut Vivantes schwarze Zahlen schreibe, sehen die Schließung ihrer Klinik im düsteren Licht. „Jeder weiß hier, dass das niemals ein ambulantes Zentrum wird. Prenzlauer Berg ist übervoll mit Ärzten. Die Vivantes-Geschäftsleitung sagt das nur so“, beschreibt eine langjährige Mitarbeiterin die momentane Lage. Die Stimmung im Haus unter Schwestern und Medizinern sei „ganz mies“. Am ersten April hatten rund 150 Angestellte des Hauses einen Protestmarsch zur Konzernzentrale in Reinickendorf organisiert. Die Mitarbeiterin, die anonym bleiben möchte, war dabei. Doch gebracht habe das nichts, sagt sie. „Wir sind einfach zu wenige, ein zu kleines Haus. Da kann man nicht viel ausrichten“, bedauert sie. Sie selbst ist der Meinung, das Krankenhaus, das zwei innere Abteilungen und eine Chirurgie mit OP-Einheit und Intensivstation hat, werde gebraucht: „Wenn wir weg sind, gibt es hier in der Gegend nichts mehr für die Bürger. Die kommen gerne zu uns, weil wir individuell und persönlich sind. Und was wird außerdem mit den vielen Kindern, die Prenzlauer Berg hat?“

Dem stimmt auch eine Mitarbeiterin aus der Funktionsabteilung zu – erst 2006 war sie vom Max-Bürger-Zentrum in Charlottenburg nach Prenzlauer Berg versetzt worden, weil die Vivantes-Klinik dort ebenfalls geschlossen worden war. „Nach Friedrichshain will niemand von uns. Das Krankenhaus dort ist total überlastet und anonym. Das ist mit unserer persönlichen Atmosphäre hier im Haus nicht vergleichbar“, sagt sie. Auch wisse niemand, wann der Umzug losgehen soll und wo die Mitarbeiter landen – „unsere Situation ist sehr unsicher.“

In der Bezirksverordnetenversammlung Pankow wurde die „Klinik-Umstrukturierung“ am vergangenen Dienstag heftig diskutiert. Dennoch: „Der Beschluss steht fest und wird jetzt so umgesetzt“, sagt Vivantes-Sprecher Dolderer. Schließlich hätten die beiden Aufsichtsratmitglieder, Finanzsenator Thilo Sarrazin und Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher, ebenfalls zugestimmt. Liva Haensel

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