Berlin : Vivantes: Neuer Betriebsratschef droht mit hartem Widerstand

Arbeitnehmervertreter will Arbeit der Geschäftsführung behindern

Ingo Bach

„Ausgerechnet Gernhardt“, wird Vivantes-Chef Wolfgang Schäfer gedacht haben, als die Wahl des neuen Betriebsratsvorsitzenden feststand. Volker Gernhardt galt lange Zeit als Intimfeind Schäfers. Als Betriebsrat des Vivantes-Klinikums Neukölln hat er mehrfach angebliche Missstände bei der Patientenpflege öffentlich angeprangert. Wolfgang Schäfer versuchte daraufhin, den unbequemen Arbeitnehmervertreter loszuwerden. Nun müssen beide zusammenarbeiten – „Ich bin dazu bereit“, sagt Gernhardt, „wenn Herr Schäfer endlich anfängt, seine Mitarbeiter ernst zu nehmen, statt ihnen mit betriebsbedingten Kündigungen zu drohen.“

Hintergrund ist der Streit um einen Lohnverzicht. Die Geschäftsführung verkündete, sie müsse betriebsbedingte Kündigungen prüfen, wenn ihr die Gewerkschaften nicht entgegenkämen.

Am Montag werden sich Schäfer und Gernhardt treffen. „Ich erwarte von Herrn Schäfer, dass er sich dann ganz klar positioniert: Gilt die Rahmenbetriebsvereinbarung noch oder gilt sie nicht mehr?“, sagt Gernhardt. Wenn nicht, werde der Betriebsrat harten Widerstand leisten, zum Beispiel vor Gericht. Außerdem könne der Betriebsrat aus Protest die Arbeit der Geschäftsführung behindern, zum Beispiel, in dem er zustimmungspflichtige Verwaltungsvorgänge verzögert.

Schäfers Zentralisierungskurs hält Gernhardt für falsch. Er will mehr Eigenständigkeit der Vivantes-Krankenhäuser. Und dazu gehören auch wieder Arbeitnehmervertretungen in den Kliniken, die gerade erst abgeschafft wurden zugunsten eines einzigen, 71 Köpfe starken Betriebsrates, dem Gernhardt jetzt vorsteht.

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