Berlin : Vivantes pokert um Zustimmung für Klinik-Neubau

Der Konzern muss dem Senat beweisen, dass der Standort in Hellersdorf notwendig ist

Ingo Bach

Der Streit um den Neubau für das Vivantes-Klinikum Hellersdorf könnte auch für das Land zu einem finanziellen Problemfall werden. Wie berichtet, muss der Chef des landeseigenen Klinikkonzerns, Wolfgang Schäfer, auf der Senatssitzung am kommenden Dienstag eine Begründung vorlegen, warum Vivantes nicht auf Hellersdorf verzichten könne. Denn es gibt Widerstand gegen den Neubau an der Myslowitzer Straße, der die beiden maroden Standorte des Vivantes-Klinikums in Hellersdorf ersetzen soll.

Vor allem der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und der Stadtentwicklungssenator Peter Strieder finden, dass ein solches Projekt nicht in die politische Landschaft passe, wo doch überall Klinikkapazitäten abgebaut werden müssten. Andererseits soll der Neubau das Land keinen Cent kosten, denn Vivantes will das 45 Millionen Euro teure Projekt aus eigener Kraft stemmen. Ohne Neubau müsste das marode Klinikum irgendwann ganz schließen. Dabei ist es für Vivantes von existenzieller Bedeutung. Denn wegen der geringen Versorgungsdichte mit Krankenhausbetten in dieser Region kann das Unternehmen, zu dem neun ehemals städtische Kliniken gehören, hier Patienten akquirieren, um damit seine teuren Kapazitäten der Spezialversorgung in den anderen Häusern auszulasten.

Im letzten Jahr hat Vivantes im Hellersdorfer Klinikum 15 000 Patienten behandelt und damit 50 Millionen Euro erwirtschaftet. Wenn dieses Einzugsgebiet wegfällt, dann sei das gesamte Sanierungskonzept von Vivantes gefährdet, heißt es aus Senatskreisen. Außerdem entfiele der Arbeitsplatz für 1200 Mitarbeiter – Mitarbeiter die aufgrund der bis 2006 gültigen Beschäftigungssicherung nicht betriebsbedingt entlassen werden können. Die Kreditwürdigkeit des Unternehmens würde unter diesen Belastungen leiden – und das bedeutet auf dem Kapitalmarkt hohe Zinsen. Vivantes hat also kein Interesse daran, den jetzigen Landeskredit in Höhe von 225 Millionen Euro in einen Privatbank-Kredit umzuwandeln – trotz einer Landesbürgschaft. Die Folge: Der Kredit würde den Berliner Schuldenstand erhöhen. Und es kämen weitere Lasten dazu: „Dann müsste Berlin dafür sorgen, dass für 170 Psychiatriebetten, die in dem Neubau unterkommen sollten, ein anderes Haus gebaut wird“, sagt Mario Czaja, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. Allein dafür wären rund 13 Millionen Euro nötig.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben