Vivantes : Pro Überweisung 250 Euro Honorar

Kaufen Krankenhäuser Patienten? Bundesweit stehen die Ärzte wegen dieses Verdachts unter Druck. Auch in Berlin gibt es Fälle: So wird niedergelassenen Urologen und den Vivantes Krankenhäuser vorgeworfen, ein bestehender Kooperationsvertrag diene dem Patientenkauf.

Matthias Lehmphul

Kaufen Krankenhäuser Patienten? Bundesweit stehen die Ärzte wegen dieses Verdachts unter Druck. Auch in Berlin gibt es Fälle: Niedergelassenen Urologen und den Vivantes-Krankenhäusern wird vorgeworfen, ein bestehender Kooperationsvertrag diene dem Patientenkauf.

2005 schlossen sich rund 110 der 130 Berliner Urologen in einer Genossenschaft zusammen, um mit dem Vivantes- Klinik-Konzern einen Vertrag auszuhandeln. Laut Vertrag erhalten die Urologen für die Patienten, die sie an das Auguste-Viktoria-Klinikum oder das Klinikum im Friedrichshain – beide gehören zu Vivantes – überweisen, ein Honorar von 250 Euro. Damit müssen die niedergelassenen Ärzte die Diagnostik und die Nachbehandlung der Patienten übernehmen.

Die Urologen wehren sich gegen Korruptionsvorwürfe. „Geld einfach auszuloben, um Patienten zu fangen, bringt langfristig nichts und wird von uns strikt abgelehnt,“ sagt Klaus Söffker Vorsitzender der Genossenschaft. Auch Vivantes sieht keinen Anlass für Kritik. „Wir zahlen keine Prämien,“ sagt Uwe Dolderer Sprecher des Vivantes-Klinik-Konzerns. Die Ärzte erhielten Geld lediglich für medizinisch erbrachte Leistungen. Die beteiligten Ärzte könnten ihren Patienten auch zu Behandlungen in anderen Krankenhäusern raten. Tatsächlich überweisen die meisten Berliner Urologen aber an das Auguste-Viktoria-Krankenhaus und das Krankenhaus am Friedrichshain. In einer Umfrage des Tagesspiegels von 2007 gaben allein 21,3 Prozent der Urologen gegenüber dem Klinikführer an, ihren Patienten das Auguste-Viktoria-Klinikum zu empfehlen. In den vergangenen Jahren sind die Operationen an den beiden Standorten sprunghaft angestiegen. 2004 wurden vom Klinikkonzern noch 189 Prostataentfernungen vorgenommen, 2007 hat sich die Zahl auf 535 Operationen verdreifacht. Insgesamt werden rund 1500 Berliner jährlich an ihrer Prostata operiert.

Das Hauptargument für die bestehende Kooperation ist die Qualitätsverbesserung der Behandlungen. „Es gibt zu viele urologische Zentren, die Patienten behandeln“, meint Söffker. Derzeit arbeiteten 13 urologische Abteilungen in Berlin, viele seien jedoch nicht ausgelastet. Eine erfolgreiche Prostataentfernung sei aber an hohe Fallzahlen gekoppelt.

Kritiker fordern eine Veröffentlichung der Qualitätsdaten über erfolgte Behandlungen in den Vivantes-Häusern. Der Abgeordnete von Bündnis90/Die Grünen, Benedikt Lux, sagt: „Jemand, der nichts zu verbergen hat, würde jetzt an die Öffentlichkeit treten.“ Die Patientenbeauftragte des Landes Berlin, Karin Stötzner, fordert: „Ich würde es begrüßen, wenn der Vivantes-Konzern die Daten jetzt veröffentlicht. Denn sie würden einen Vertrag, der im Sinne der Patienten zur Qualitätverbesserung geschlossen wurde, ja nur bestätigen.“ Bislang hält Vivantes aber die seit zwei Jahren angekündigte Veröffentlichung der Qualitätsdaten über die Behandlung von Prostataerkrankungen zurück. Auf Anfrage, wann die Daten veröffentlicht werde, sagte Vivantes-Sprecher Dolderer: „Kein Kommentar.“

„Die Berliner Patienten sind verunsichert“, sagt Stötzner. Das Grundproblem eines derartigen Vertrages sei die fehlende Transparenz. Grünen-Politiker Lux fordert deshalb vom Berliner Senat die Überprüfung der bestehenden Zusammenarbeit. Stötzner rät den betroffenen Patienten, gezielt ihre Ärzte nach den Gründen der Klinikwahl zu fragen.

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