Berlin : Vivantes schließt Klinik für Lasermedizin

Renommierter Chefarzt wechselt von Neukölln ans Elisabeth-Krankenhaus

Ingo Bach

Der landeseigene Klinikkonzern Vivantes verliert einen seiner Vorzeige-Chefärzte. Zum 1. Juli wechselt der Direktor der Klinik für Lasermedizin, Hans-Peter Berlien, vom Neuköllner Vivantes-Klinikum an das Elisabeth-Krankenhaus in Tiergarten. Der 55-jährige Berlien ist nach Angaben der Fachgesellschaft Lasermedizin einer der erfahrensten Experten auf diesem Gebiet in Deutschland und seine Klinik die mit dem breitesten Behandlungsspektrum. Hier werden Gefäßmissbildungen, wie zum Beispiel Feuermale oder Wucherungen entfernt, Tumore mit dem Laser zerstört, Gallensteine zertrümmert, Tätowierungen eliminiert, Schlafstörungen korrigiert oder auch kosmetische Eingriffe wie Haarentfernungen angeboten. Jährlich kommen rund 1500 Patienten zu einer stationären Therapie hierher, 5000 weitere lassen sich ambulant versorgen. 60 Prozent aller Patienten kommen nicht aus der Region Berlin und Brandenburg, sondern aus Europa und sogar Übersee. Jahresumsatz: über vier Millionen Euro.

Als Grund für den Wechsel nennt Berlien seinen Arbeitgeber, vor allem dessen Größe. „Unsere Klinik braucht einen flexibleren Arbeitgeber. Wir passen als Querschnittsabteilung nicht in einen standardisierten Krankenhauskonzern, der exakt definierte Fallpauschalen beachten muss, streng zentralistisch organisiert ist und allgemeinverbindliche Therapiewege durchsetzt.“ Zudem habe das Neuköllner Klinikum neun Jahre lang nicht in die von ihm aufgebaute Abteilung investieren können, weshalb ein Teil des Geräteparks veraltet sei.

Der Weggang von Berlien sei ein großer Verlust für den Konzern, sagt Vivantes-Sprecher Uwe Dolderer. Da die Klinik für Lasermedizin mit dem Namen Berlien verbunden sei, werde man sie nicht weiterführen. Aber man wolle die lasermedizinischen Therapien auf die einzelnen Fachdisziplinen verteilen. „Für die Patienten ändert sich nichts“, hofft man bei Vivantes optimistisch.

Allerdings geht nicht nur der Chef und wird nicht nur die Klinik geschlossen. Auch ein Großteil der rund 35 Mitarbeiter der Klinik will ihrem Chef an das neue Krankenhaus folgen. Am 5. Juli soll die Abteilung dann am neuen Standort für die Patienten erstmals öffnen, sagt Berlien. Am Elisabeth-Krankenhaus, dessen Träger der Berliner Verein zur Errichtung evangelischer Krankenhäuser (VZE) ist, freut man sich auf einen „Leuchtturm“. „Damit setzen wir die Strategie fort, in unseren Häusern exklusive Centers of Excellence zu schaffen“, sagt Markus Müschenich, medizinischer Vorstand des VZE. Die Lasermedizin von Berlien habe ein internationales Renommee, das ist bis in die USA hineinreiche. Das Elisabeth-Krankenhaus sei ideal für die Abteilung wegen ihrer zentralen Lage – und natürlich werde man in die neue Abteilung investieren. Denn Berlien soll in seiner Klinik auch forschen dürfen. „Damit schaffen wir uns einen universitätsunabhängigen Innovationsmotor“, sagt Müschenich.

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