• Vivantes: Wir behandeln Patienten nicht am Fließband Klinik-Chef Schäfer weist Kritik am Pflegemanagement zurück

Berlin : Vivantes: Wir behandeln Patienten nicht am Fließband Klinik-Chef Schäfer weist Kritik am Pflegemanagement zurück

NAME

Der landeseigene Klinikkonzern Vivantes wehrt sich gegen Vorwürfe, in seinen Krankenhäusern würden die Patienten schlecht behandelt. „Wir leisten eine hervorragende medizinische Versorgung“, sagte Vivantes-Geschäftsführer Wolfgang Schäfer gestern auf einer Pressekonferenz. Er reagiert damit auf die Kritik des Berliner Ärztekammerpräsidenten Günther Jonitz an der Versorgungsqualität in den Vivantes-Häusern. Jonitz sagte dem Tagesspiegel: „Immer weniger Ärzte behandeln immer mehr Patienten mit immer größerem Aufwand - diese Fließbandbehandlung geht bis an die Sicherheit der Patienten." Der Druck der Krankenkassen, die immer geringere Liegezeiten in den Kliniken anstrebten, führe dazu, dass Patienten früher in die ambulante Nachbehandlung entlassen werden, als es gut für sie wäre. „Nach einer Woche landen sie dann wieder im Krankenhaus.“ Doch sei das alles kein spezifisches Problem von Vivantes, sondern es gelte für alle Krankenhäuser.

Jeder Klinikarzt bei Vivantes sammle täglich im Schnitt ein bis zwei Überstunden an, sagt Jonitz. „Die Chirurgen im Krankenhaus Friedrichshain pfeifen auf dem letzten Loch.“ Doch weil die Geschäftsführung die Klinikgruppe rigide führe, gelangten Informationen über Missstände nur verzögert oder gar nicht an die Spitze der Hierarchie.

Vivantes-Chef Schäfer hält dagegen: „Wir setzen auf innerbetriebliche Transparenz. Jede personalpolitische Entscheidung fällt in Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat.“

Kritik an der Pflegequalität besonders im Klinikum Neukölln kommt von dessen Betriebsratsvorsitzenden Volker Gernhardt. Häufig sei das Krankenhaus so überbelegt, dass Betten auf die Flure gestellt würden. „An den Vorwürfen ist nichts dran“, sagt Vivantes-Chef Schäfer. „Keines unserer Häuser ist über 100 Prozent belegt.“ Allerdings seien die Plätze sehr gefragt. „Wenn die niedergelassenen Ärzte uns nicht vertrauten, schickten sie wohl kaum ihre Patienten zu uns.“

Es könne vorkommen, dass mal ein Bett auf dem Flur stehe, aber nur dann, wenn es medizinisch notwendig sei, sagt Erdmann Fähndrich, Ärztlicher Direktor des Neuköllner Klinikums. „Zum Beispiel, wenn die Schwester auch nachts ein Auge auf den Patienten werfen muss.“ Fähndrich verweist auf die ständigen anonymen Patientenbefragungen. „98 Prozent der Befragten waren mit uns zufrieden.“ Ingo Bach

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar