Berlin : Vogelgrippe – Senat kauft Tamiflu für 680 000 Berliner

Gesundheitsverwaltung stellt Seuchenplan vor Mäusebussard verendete an aggressivem Virus

Ingo Bach

Nun hat das Friedrich-Loeffler-Institut bestätigt, was schon vor einer Woche befürchtet worden war. Der in Berlin gefundene tote Mäusebussard war an der aggressiven Form der Vogelgrippe H5N1 verendet. Doch an der Lage ändere das wenig, sagt Roswitha Steinbrenner, Sprecherin der Senatsgesundheitsverwaltung. „Wir haben am vergangenen Sonntag bereits auf den Verdacht hin, dass es der Asia-Stamm ist, alle Maßnahmen ergriffen.“ Die Regelungen, wie die Beschränkung von Geflügeltransporten, würden nun lediglich verlängert.

Vogelgrippe ist eine Tierseuche, aber der Asia-Stamm des Virus kann bei sehr engem Umgang mit infizierten Tieren auch für den Menschen gefährlich werden. Am Mittwoch wird die Gesundheitsverwaltung nun endlich auch einen für Berlin gültigen Pandemieplan vorstellen. Dieser tritt in Kraft, wenn der Vogelgrippevirus mutiert und von Mensch zu Mensch übertragbar wird. Dann könnte es allein in Deutschland nach Schätzungen von Gesundheitsexperten zehntausende Tote geben.

In dem Berliner Pandemieplan werden zum Beispiel Aufnahmekrankenhäuser für schwer Erkrankte aufgelistet und geregelt, wer aus den staatlichen Vorräten an antiviralen Medikamenten wie Tamiflu behandelt wird. Die Arzneien sollen die Seuche in Schach halten, bis nach frühestens drei Monaten ein Impfstoff verfügbar ist. Wie berichtet haben die Bundesländer beschlossen, den Arzneivorrat so aufzustocken, dass er für 20 Prozent der Bevölkerung reicht. Am kommenden Dienstag will der Senat nach Tagesspiegel-Informationen diese Aufstockung auch für Berlin beschließen.

Tamiflu werde vorrangig als Therapeutikum eingesetzt, sagte Berlins Gesundheitssenatorin Heidi Knake-Werner (Linkspartei/PDS) am Donnerstag im Gesundheitsausschuss des Abgeordnetenhauses. Also nur erkrankte Beschäftigte in wichtigen Bereichen wie Kliniken, bei Feuerwehr und Polizei, sowie Risikopatienten erhalten das Medikament aus den Vorräten. Ob Tamiflu auch prophylaktisch wirkt und ob man durch flächendeckende Gabe auch an Gesunde die Virenausbreitung stoppen kann, sei umstritten.

Man gehe davon aus, dass bei einer Epidemie mit einem mutierten Grippevirus 30 Prozent der Bevölkerung erkranken würden – doppelt so viele wie in der bisherigen Annahme des Senats. Entsprechend wird der Vorrat an Tamiflu auch erhöht. Wie berichtet hatte das Land 2005 für 2,2 Millionen Euro einen Vorrat Tamiflu bestellt, der für die Behandlung von 245 000 Berlinern ausreicht, das sind rund 7 Prozent. Bis 2007 soll der Vorrat auf rund 680 000 Therapieeinheiten ausgeweitet werden, was zusätzlich 7,7 Millionen Euro kosten wird.

Der bisherige Vorrat ist als Wirkstoffpulver in Fässern zentral im Saarland gelagert. Von dort würde das Medikament zum Beispiel mit Militärhubschraubern nach Berlin gebracht. Denn Tamiflu muss binnen 48 Stunden eingenommen werden, um die Dauer der Erkrankung um anderthalb Tage verkürzen und Komplikationen mildern zu können.

In Berlin werde das Pulver dann von Krankenhausapotheken zu Trinklösungen verarbeitet, die die Patienten schlucken müssen. Für die Aufstockung der Vorräte sollen nach Angaben der Gesundheitssenatorin nun die fertigen – und teueren – Kapseln beschafft werden. Denn die Kapseln lassen sich schneller einsetzen.

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