Volksbank-Bombendrohung : Auf Nummer sicher

Für die Bewertung von Drohanrufen ist bei der Polizei eine eigene Abteilung zuständig. Im Fall der Bombendrohung bei der Volksbank in Berlin waren sie sich schnell einig: nicht Ernst zu nehmen. Ihren Rat nahm die Volksbank nicht an - und ließ alle 173 Filialen räumen.

Jörn Hasselmann
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Den Drohanruf bei der Berliner Volksbank nahmen Experten nicht allzu ernst. -Foto: Rückeis

Die Polizei ist sauer. Darüber, dass sich die Berliner Volksbank über ihren Rat hinweggesetzt hat und alle 173 Filialen in Berlin und Brandenburg räumte. Wie berichtet, hatte ein Anrufer um 11.40 Uhr telefonisch eine „Bombendrohung gegen zwei Filialen der Volksbank“ übermittelt. Um 12.08 Uhr informierte die Volksbank die Polizei. Dort waren sich die Experten des Landeskriminalamtes bereits nach wenigen Minuten einig: „Ernsthaftigkeit verneint.“ Dass die Bank den Rat der Experten ignorierte, stößt bei der Polizei auf Kritik, weil Trittbrettfahrer animiert werden könnten, weil bei solchen Fällen die Gefahr einer unnötigen Panik drohe. Bei der Bank hieß es, die Analyse habe eine Gefahr nicht gänzlich ausgeschlossen – zudem haben Unbekannte kürzlich versucht, einen Geldautomaten zu sprengen.

Für die Bewertung von Drohanrufen gibt es im LKA eine eigene Abteilung 52: „Auswertung und Gefahranalyse“. Dort werden auch Politiker und andere gefährdete Personen beraten. Für die Ernsthaftigkeit einer Drohung sprechen beispielsweise präzise Beschreibungen vom angeblichen Tatort oder der Art der Bombe, die Begründung des Anschlags oder die genaue Uhrzeit. Bei der Volksbank hingegen kamen die Experten schnell zum Schluss, dass sich hier jemand einen üblen Scherz geleistet hat. Was der Volksbank ausdrücklich mitgeteilt wurde.Darüber setzte sich die Bank hinweg, evakuierte alle Filialen und stellte den 2900 Angestellten frei, sich in Sicherheit zu bringen – oder nach einer Bombe zu suchen. Um 14.30 Uhr gab dann auch die Bank Entwarnung

Im Polizeipräsidium hieß es gestern, dass es nicht „den Hauch der Annahme einer Ernsthaftigkeit“ der Drohung gegeben habe. Das Verhalten der Volksbank sei „fahrlässig“, kritisierte ein leitender Beamter, weil es „Unsicherheit bei den Mitarbeitern der Bank geschürt“ habe. Die Aktion könne auch Nachahmer ermuntern. „Man muss uns schon vertrauen, wir machen das täglich“, hieß es im Präsidium. Zwei bis drei Drohanrufe beschäftigen die Polizei jede Woche. Die genauen Kriterien, ob eine Drohung als glaubwürdig eingestuft wird, sind streng geheim – um Nachahmern keine Anleitung zu liefern. Wenn im Hintergrund jedoch Kinder kichern, gehen die Beamten schnell zum nächsten Thema über.

Die Volksbank wollte den Vorwurf der Polizei nicht auf sich sitzen lassen. Sprecherin Nancy Mönch sagte, dass die Analyse „nicht hundertprozentig“ eine Gefährdung ausgeschlossen habe. Deshalb sei das Institut auf Nummer sicher gegangen. Zumal vor einem Monat Unbekannte einen Geldautomaten in der Basdorfer Filiale sprengen wollten. Da waren jedoch nach Polizeiangaben keine Attentäter, sondern Räuber am Werk. Die Polizei ermittelt nun gegen Unbekannt wegen „Störung des öffentlichen Friedens“.

Auch die Bombendrohung gegen die Commerzbank vor drei Wochen gilt bis heute als ungeklärt. An diesem Tag war in der Zentrale in Frankfurt am Main eine Bombenattrappe gefunden worden. Weil der Anrufer von einer zweiten Bombe gesprochen hatte, war die Polizei an die Potsdamer Straße ausgerückt. Eine Hundertschaft der Polizei hatte stundenlang den Komplex durchsucht – ohne Ergebnis. Der Entschärfungsroboter „Teodor“ kommt etwa 600 Mal pro Jahr zum Einsatz – immer wenn verdächtige Gegenstände entdeckt werden. Bislang wurde noch nie eine Bombe entschärft, fast immer waren die Koffer oder Taschen schlicht vergessen worden. Doch seit den Terroranschlägen 2001 geht man auf Nummer sicher: Die Umgebung der „USBV“ (Amtsdeutsch für „unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtung“) wird abgesperrt, der Sprengroboter röntgt den Gegenstand und macht ihn gegebenenfalls durch einen „Schuss“ aus dem Wassergewehr unschädlich. In den Jahren 2002 und 2003 mussten die Beamten mehrfach zum Bahnhof Zoo ausrücken. Stundenlang war der Zugverkehr komplett eingestellt worden, weil in den Schließfächern ein Ticken zu hören war.

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