Berlin : Volksbank-Chef Holger Hatje

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Auf besondere Hochachtung stieß der quirlige promovierte Betriebswirt – unverwechselbar sein Hamburger Idiom – mit dem runden Kopf eines Buddha als blonder „Dr. Hadschi“ während seiner Auftritte im Nahen Osten. Damals stand er in den Diensten der Dresdner Bank. Mit ihr hat der Schüler von Professor Lipfert vor 20 Jahren seine eindrucksvolle Banklaufbahn gestartet. Anfangs als Filialassistent in Hamburg, dann als Vorstandsassistent von Röller und Eberstadt in Frankfurt. In Boston hat er die „Retail-Broker-License“ erworben und auf der anderen Seite des Globus in Hongkong als Manager Investment Department von 1991 bis 1993 die Tigerfonds entwickelt.

Vom Fernen Osten ging es Mitte der Neunzigerjahre nach Halle in den deutschen Osten. Gereizt hat ihn da die Mitverantwortung bei Aufbau und der Leitung eines ganz neuen Geschäfts in einem schwierigen Markt. Das war ein Erfolg. Deshalb wurde er anschließend Regionalleiter Ost der Bank mit Sitz in Berlin und Leipzig. Als dann die Allianz die Dresdner schluckte, ging er als Chef zur Oldenburgischen Landesbank AG nach Oldenburg. Von dort holte ihn Karl Kauermann als seinen Nachfolger 2005 zurück nach Berlin.

Hier nun hat der „Dr. Hadschi“ eine ungemein anspruchsvolle Aufgabe geerbt. Die gefährliche Schieflage der Volksbank hat sein Vorgänger zwar bravourös gemeistert. Aber bis 2010 soll das Institut als führende Regionalbank nachhaltig profitabel sein und seinen Marktanteil von heute elf Prozent kräftig ausgeweitet haben. Er wäre begeistert, wenn das Gebot der Volksbank für die Berliner Bank Erfolg hätte. Die beiden Institute passten ideal zusammen, meint er.

Mit seinen 47 Jahren hat der kluge, nüchtern abwägende Banker noch viel vor. Ein Vorbild für Ehrgeiz und Durchhaltewillen war sicherlich sein Vater, ein selbstständiger Elektromonteur, der zeitweise hart um seine Existenz kämpfen musste. Die Kraft für seinen Einsatz holt der Sohn sich bei seiner Familie: den zwei Söhnen und der Tochter und bei seiner Frau. Sie kennt er schon aus der Schule. Er genießt sein Haus in Frohnau und fast noch mehr ihr Domizil im französischen Evian am Genfer See. Der begeisterte Segler hat schon als kleiner Bengel bei Helmut Schmidt an der Vorschot auf dem Brahmsee mitsegeln dürfen.

Seinen Wehrdienst hat er übrigens bei der Marine, beim Flottenkommando in Glücksburg abgeleistet. Dort ist auch sein Entschluss geboren – aus Langeweile, wie er sagt – nebenbei BWL zu studieren.

Berlin, wo er nun schon seit 2000 lebt „wird seinen Weg machen“, davon ist er überzeugt. Und er den seinen. Sein Motto lautet: „Man muss jede Entscheidung auch im Umkehrschluss sehen und fragen, was kostet es, etwas nicht zu machen“. Das sind gute Voraussetzungen, um mit starkem Willen und kräftigem Wind ins Ziel zu kommen.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels.

Holger Hatje (47),

Der promovierte

Diplom-Kaufmann wurde in Hamburg

geboren. Seit

Jahresbeginn ist er

Vorstandsvorsitzender der Berliner Volksbank

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