Berlin : Volksbanker Karl Kauermann

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Ist SparkassenBlut erblich? Schon der Vater von Karl Kauermann war an der Spitze einer Sparkasse in Westfalen. In der riesigen Dienstwohnung in Gladbeck ist der „große Sohn“ (heute 1,94 Meter) aufgewachsen. Darunter in der Sparkasse durfte er seinen Vater stören, wann immer er etwas auf der Seele hatte. Kurz vor seiner Pensionierung verstarb der Vater, die vitale Mutter lebt heute mit 90 Jahren im Allgäu.

In Gladbeck hat sein begabter Sohn sein Abitur gemacht und Musik in der Band „The Roaring Seven“, Waschbrett, Banjo und Gesang. „Damit konnte man auch bei den Mädchen punkten“, ein kurzes, genüsslich erinnerndes Lächeln geht über sein Gesicht. Die noch übrige Zeit nahm das disziplinierte Training für den Zehnkampf in Anspruch. Wirtschaftswissenschaften hat er in Köln gelernt und zwei Jahre an der London School of Economics. Da lehrte damals Karl Popper. Die Doktorarbeit folgte in Marburg. Ein Begabtenstipendium sorgte für ein relativ unbeschwertes Leben.

1973 begann als Trainee beim westfälischen Sparkassenverband „Karlchen´s Mondfahrt“ in die Führungsetagen der Sparkassen: als Prüfer und Berater in Wattenscheid und dann als Direktor in Bochum. Ein riesiges Zimmer mit einem stattlichen Teppich und – drei Jahre nach dem Examen – bereits zuständig für das Gesamtkreditgeschäft. „Ehe die merkten, dass ich keine Ahnung hatte, hatte ich welche“, bemerkt er ironisch. Über eine Zwischenstation bei der Gesellschaft für Zahlungssysteme der Deutschen Bank kam er an die Spitze der Nassauischen Sparkasse in Wiesbaden. Dann folgte die Hessische Landesbank in Frankfurt.

1997 trat Berlin ins Leben des Sparkassen-Mannes. Die Aufgabe, die Gasag zu privatisieren, erlaubte eine erste „unauffällige Orientierung“ für den neuen Job an der Spitze von Grundkreditbank und Volksbank. Wieder ging es um Fusionen und Sanierung. Das scheint nun gelungen. 2004 weist die Volksbank ein ordentliches Ergebnis von fast 70 Millionen Euro auf. Mit den knapp 3000 Mitarbeitern hat die Regionalbank einen Marktanteil von über zehn Prozent. Für eine sichere Zukunft zu wenig, meint der erfahrene Banker. Deswegen auch sein Interesse an der Berliner Bank. Seine Hauptaufgabe sieht der bald 60-Jährige mit dem markanten, schmalen Kopf darin, „seinen Nachfolger zu suchen“.

Auf keinen Fall will er in den Aufsichtsrat – aus grundsätzlichen „hygienischen“ Gründen. „Dann such ich mir eine neue Beschäftigung“. Das Maximum von zehn Aufsichtsratsmandaten hat er schon heute ausgeschöpft (darunter die Gasag, die BSR und Vivantes). Aus Berlin wollen die Kauermanns auf alle Fälle „nie mehr freiwillig weg“. Er kennt keine spannendere Stadt. Sie ziehen bald vom Grunewald nach Mitte in die Reinhardtstraße. Ihre zwei Söhne sind schon „groß“, der eine 2,01, der andere 1,98 Meter. Früher war Karl immer der „Größte“!

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels.

Karl Kauermann, 59 . Der promovierte Volkswirt steht der Berliner Volksbank eG vor. Er engagiert sich unter anderem für Berlins

Opernhäuser und

die Freunde der

Nationalgalerie.

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