Volksbegehren : Pro-Reli-Streit eskaliert

Erstkommunionskinder als Zirkuspferde? Der Vorsitzende der Initiative Pro Reli, Christoph Lehmann, wirft dem Humanisten-Verband Religionsfeindlichkeit vor. Der will ihn nun verklagen.

Claudia Keller

Der Humanistische Verband Deutschland (HVD) erwägt rechtliche Schritte gegen Christoph Lehmann, den Vorsitzenden der Initiative Pro Reli. Anlass sind kritische Aussagen, die Lehmann am Wochenende über den HVD gemacht hat.

Der Berliner Anwalt und Initiator des Volksbegehrens Pro Reli hatte dem HVD Religionsfeindlichkeit und Diffamierung Andersgläubiger vorgeworfen und sich dabei besonders auf einen Artikel auf der Internetseite des Humanistischen Pressedienstes hpd bezogen. In diesem Artikel mit der Überschrift „Die religiöse Dressur des Kindes“ werden Erstkommunionskinder mit Zirkuspferden verglichen. Eine solche Herabwürdigung Andersgläubiger oder Andersdenkender sei Ausdruck weltanschaulicher Intoleranz und mangelnden Respekts vor der Religiosität anderer, sagte Lehmann.

Der Geschäftsführer des HVD-Landesverbandes Berlin wies die Vorwürfe am Montag zurück. Lehmanns Äußerungen seien „grob unwahr und entbehren jeder sachlichen Grundlage“, sagte Manfred Isemeyer. Es handle sich um üble Nachrede, die darauf gerichtet sei, den guten Ruf des HVD zu schädigen. Deshalb lasse man prüfen, ob Lehmanns Aussagen den Straftatbestand der üblen Nachrede oder Verleumdung erfüllten. Im Übrigen handle es sich bei dem Beitrag „Die religiöse Dressur des Kindes“ auf der Internetseite des hpd um eine „persönliche Meinungsäußerung des Autors“. Der Pressedienst sei außerdem vom HVD unabhängig, man habe mit dessen Inhalten nichts zu tun.

Lehmann reagierte auf die Drohung des HVD gelassen. Er habe gesagt, dass er den Text „Die religiöse Dressur des Kindes“ auf der hpd-Seite für religionsfeindlich halte. Das sei seine persönliche Meinung, was juristisch nicht angreifbar sei.

Wie eng der Humanistische Pressedienst mit dem HVD organisatorisch und inhaltlich verbunden ist, zeigt die Entstehungsgeschichte. So wurde der Pressedienst 2006 auf Initiative des HVD gegründet. Außerdem gibt es zahlreiche personelle Verflechtungen zwischen hpd und HVD. So ist zum Beispiel Gabriele Groschopp Mitarbeiterin im Redaktionsbüro des hpd und als Webmasterin zugleich mitverantwortlich für die Internetseite des HVD. Zudem ist Gabriele Groschopp mit dem HVD-Präsidenten Horst Groschopp verwandt. „Journalisten arbeiten eben dort, wo sie Geld verdienen“, kommentierte Manfred Isemeyer die Verbindung. Das sage nichts aus über die inhaltliche Nähe zwischen hpd und HVD.

Die Initiative Pro Reli kämpft mit einem Volksbegehren für die Einführung eines Wahlpflichtbereichs Ethik/Religionen an Berlins Schulen und muss dafür bis 21. Januar 170 000 Unterschriften sammeln. Der HVD unterstützt das bisherige Pflichtfach Ethik. Claudia Keller

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar