Volksentscheid : Was Schüler von Pro Reli halten

Der Ausgang der Abstimmung am Sonntag betrifft sie am meisten: Was Berlins Schüler zu Pro Ethik und Pro Reli sagen.

Beate Brehm,Solveig Rathenow
271667_3_xio-fcmsimage-20090423211607-006001-49f0be77db91f.heprodimagesfotos83120090424davids_proreli_demo_23409-13.jpg
Sie wollen zwischen Religion und Ethik wählen können. Befürworter eines Wahlpflichtfachs Religion marschierten am...

Die Erwachsenen sind, so scheint es, pro oder contra Reli – aber was sagen die, über deren Stundenplan am Sonntag abgestimmt wird? Micha Schmidt, Sprecher der Landesschülerkonferenz, beschreibt die Stimmung als geteilt. Es gebe viele, die gemeinsam über Religionen und gesellschaftliche Werte unterrichtet werden wollen. Und es gebe die, die auf dem traditionellen Religionsunterricht bestehen. „Denen sagen wir, dass ihnen den Religionsunterricht auch niemand nimmt.“

Einer davon ist Fridolin Fichter. Der 19-Jährige vom Gymnasium Steglitz hat schon vor der Abstimmung, an der er als Volljähriger teilnehmen darf, für Pro Reli votiert. Mit dem St. Michael-Chor nahm er einen Pro-Reli-Song auf. „Die Leute, die über Religion und Ethik abstimmen, haben keine Ahnung, was das in der Praxis bedeutet“, sagt der Schüler, der seit der fünften Klasse am Religionsunterricht teilnimmt. Der Vize-Schülersprecher findet, dass „Religion und Ethik gleich behandelt werden müssen“.

Die Initiatoren der Pro-Reli-Kampagne haben auf die Kinder der Wähler gesetzt: Sie sollen für die richtige Stimmung bei den Eltern sorgen. An die Schulen gebracht wurde das Thema über Diskussionen im Religionsunterricht, über Info-Broschüren und die Plakatwerbung. Außerdem gab es den Aufruf zum „Ja“-Gang , zu einer Demonstration am Donnerstagabend auf dem Kurfürstendamm, die mehrere hundert Teilnehmer hatte.

Viele Schüler müssen allerdings nicht erst mobilisiert werden. In der Neuköllner Otto-Hahn-Schule wurde kurzerhand eine Probeabstimmung anberaumt. Das Ergebnis: Schüler und Eltern wollen die bisherige Praxis beibehalten. Zwei Drittel derer, die sich an der Aktion beteiligten, sprachen sich für den verpflichtenden Ethikunterricht aus, ein Drittel dagegen. Bislang gibt es an der Schule mangels Nachfrage keinen christlichen Religionsunterricht. Schülerin Dilek Sahan, 15, findet, dass Religion Privatsache sei. Die Muslimin besucht die 9. Klasse: Die meisten Schüler sind muslimisch. „Hätten wir Religion, gäbe es so viele Diskussionen. Einer ist sunnitisch, einer schiitisch.“ Deshalb sollten die, die wollen, in der Freizeit Religion lernen, wünscht sich Dilek. Im Ethikunterricht hat ihre Klasse auch über das Volksbegehren diskutiert. „Die meisten sind für Ethik.“

Das Ergebnis an der Hahn-Schule dürfte Niklas Gregoll, dem Schulsprecher der Katholischen Schule Liebfrauen in Charlottenburg kaum gefallen. Niklas ist Pro-Reli-Aktivist und hat in den letzten Monaten viel Freizeit für die Kampagne investiert. Zusammen mit Schülern anderer katholischer Schulen sammelte er Unterschriften fürs Volksbegehren und harrte auch während der Ferien hinter Pro-Reli-Ständen aus. So kamen rund 2000 Unterschriften zusammen. „Jetzt verteilen wir Sticker und Flyer vor den Schulen, außerdem haben wir Pro-Reli- Gruppen in StudiVZ und SchülerVZ gegründet“, sagt Niklas.

Doch selbst an den katholischen Schulen stehen längst nicht alle auf der Seite von Pro Reli: Robert W. von der katholischen Schule St. Marien in Neukölln ist für das jetzige Modell – wegen seiner Erfahrungen mit Religionsunterricht: An seiner Schule sitzen auch Nicht-Katholiken im Unterricht, alle gemeinsam diskutieren über Werte – wie bei Ethik.

Ums Diskutieren geht es auch Laura Fritsche, der Vorsitzenden des Landesschüleraussschusses: „Wir wollen, dass die Schüler miteinander reden und nicht übereinander.“Als Beispiel führt sie ihre eigene Schule an, das Hellersdorfer Melanchthon-Gymnasium. Dort seien die meisten auch auf der Seite von Pro Ethik. Ganz anders scheint das am Eckener- Gymnasium in Tempelhof zu sein. Achtklässlerin Marijana berichtet, dass die meisten Schüler für ein Wahlpflichtfach, also das Pro-Reli-Modell seien. Die Gründe sind für die Schülerin praktisch: Sie habe in der siebten Stunde Religion, „da bekommt man schon oft Kopfschmerzen“.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben