Berlin : Volksfest auf der Autobahn Tausende besichtigten

die A 113 nach Schönefeld

Ein bisschen ziviler Ungehorsam muss sein, sogar im Herrschaftsgebiet der Stadtentwicklungssenatorin, sogar auf einer neuen Autobahn. „Skaten verboten!“, „Fahrrad fahren verboten“ las man an den Zäunen um die Auffahrt zur A113, deren letzter Bauabschnitt gestern zur Erkundung freigegeben war. Doch Skater, Radler und die rund zehntausend Fußgänger, die an der Altglienicker Chaussee auf die Autobahn einschwenkten, kamen miteinander aus.

Am 23. Mai soll der dreieinhalb Kilometer lange Abschnitt zwischen Adlershof und Waltersdorf in Betrieb gehen – gestern war er Stadtlandschaft: Hellgrau der Straßenbelag, dunkelweiß der Fahrbahnbegrenzungsbeton, silbergrau die Leitplanken, zartgrün ein paar Ranken, die den Lärmschutzwall hochwachsen, himmelblau der Himmel. Der „Tunnel Altglienicke“ bot kurzen Sonnenschutz. Die verbreitete Stille über der Trasse wich einem Gepfeife, Gerufe, Geschreie – viele wollten wissen, wie der Tunnel hallt. Auf dem nächsten dreispurigen Streckenabschnitt präsentierten sich das Technische Hilfswerk, der ADAC, die Feuerwehr, die Autobahnpolizei mit Geschwindigkeitsmessgeräten und der Truck-Modellbau-Club mit Nachbauten amerikanischer Lastwagen.

Im zweiten Tunnel, „Rudower Höhe“ genannt und mit 900 Meter dreimal länger als „Altglienicke“, hatten sich die Fachmänner des Landesbetriebes Straßenwesen aufgebaut. Orange-glänzend standen ein Kehrfahrzeug und ein Unimog mit mannshohen rotierenden Bürsten bereit. Der diene der „Tunnelwäsche“, so erklärte freudig ein orange- leuchtender junger Mann: Die Tunnelwände müssten wegen der Abgase der Laster und der vielen Dieselautos gewaschen werden – „sonst fahren Sie irgendwann durch eine schwarze Röhre“.

Ein alter Herr mit Strohhut, auf dessen Krempe eine aerodynamische Sonnenbrille ruhte, belehrte den jungen Mann, die Tunnelbeleuchtung sei nicht in Ordnung: „Falsch gebaut“, stellte er fest. Eine Frau ließ sich unter einem Tempo-60- Schild fotografieren, ein Mann knipste Schilder auf einer Fluchttür: „Achtung fließender Verkehr“ und „Vorsicht Stufen“. Die Rudower Höhe, lang wie sie ist, ließ manchen Wanderer frieren. Die Lautsprecheranlage wurde vorgeführt: „Verlassen Sie bitte das Fahrzeug und gehen Sie durch die Fluchttüre in die andere Tunnelröhre“, schepperte es. Dann: „Bitte fahren Sie vorsichtig weiter.“ wvb.

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