Volkspark Friedrichshain : Geschichten vom Mont Klamott

Hier wird gegrillt und gechillt, gespielt und gewandert, erinnert und erzählt. Der Volkspark Friedrichshain ist eine der vielfältigsten Grünanlagen der Stadt – mit vielfältigen Besuchern.

von
Wenn man schnell mal durch den beliebten Park laufen möchte, sollte man sich überlegen, was man sehen will. Die Auswahl ist riesig - jedem nach seinem "Plaisir". Kommen Sie mit auf einen schnellen Spaziergang durch den Volkspark Friedrichshain. Die Tour beginnt natürlich am Eingang zum Märchenbrunnen.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Kai-Uwe Heinrich
29.06.2013 17:27Wenn man schnell mal durch den beliebten Park laufen möchte, sollte man sich überlegen, was man sehen will. Die Auswahl ist riesig...

Lärmend springen die Kinder durch Fontänen der Wasser spuckenden Elefanten. Auf den Wiesen rauchen Grills, schmusen Verliebte, stellen Protze ihre Muskeln zur Schau. Um sie herum schwitzen Jogger, Volleyballer, Skater. Der Volkspark Friedrichshain, 1846 als erste kommunale Grünanlage Berlins zwischen Friedrichshain und Prenzlauer Berg errichtet, ist Spielplatz, Sportplatz und Rastplatz zugleich. Ein Spaziergang.

Auf dem Grill dampft fettiger Schweinebauch. Indaléssio, 35, und seine spanischen Freunde haben es sich bequem gemacht im Neuen Hain, der großen Wiese an der Danziger Straße. Die Truppe ist gerüstet für einen langen Sommerabend. Billiges Sterni-Pils steht neben mit Sangria gefüllten Plastikeimern. „Der Park ist so groß, dass man sich darin verlieren kann“, schwärmt Indaléssio. Er kam vor 18 Monaten aus Teneriffa zum Arbeiten nach Friedrichshain, der Architekt schlägt sich gerade mit Kellner-Jobs durch. Dass Grillen nur auf dem kleineren der beiden Trümmerberge erlaubt ist, wissen die Spanier nicht. Den Berlinern ist’s egal. Wenn das Ordnungsamt mal kommt, legen alle zusammen, und schon ist das Bußgeld bezahlt.

Ein paar Meter weiter liegt eine Frau auf ihrer Leopardendecke und wartet auf die Sonne; sie will noch brauner werden. Isabell, 30, viele Tattoos, macht eine Ausbildung zur Yoga-Lehrerin und wohnt im Bötzowviertel in Prenzlauer Berg. Bei schönem Wetter kommt sie mehrere Male die Woche her, entspannt im Bikini. Das können ihr selbst die Spanner nicht verderben, über die sich sich ärgert. „Einmal stand einer im Wald und hat sich einen runtergeholt“, sagt sie.

Craig Saunders interessiert die knapp bekleidete Frau nicht. Er liegt im Sandkasten und guckt Tochter Emily, 1, beim Buddeln zu. Sohn Oskar, 3, tobt über die Wiese oder fährt mit dem Laufrad in der Skateboardanlage umher. „In diesem Park kann man immer wieder neue Stellen entdecken“, sagt der Musiker aus Mitte.

Indaléssio, 35, und seine spanischen Freunde erfreuen sich am Grillen im Park.
Indaléssio, 35, und seine spanischen Freunde erfreuen sich am Grillen im Park.Foto: Spangenberg

Zum Beispiel als Sportler. In der Grube des Neuen Hains hechten Volleyballer durch den Sand, die Teilnehmer der Fitness-Bootcamps schwitzen bei Sprints und Bauchmuskelübungen, am mit Graffiti besprühten Boulderfelsen üben sich Jungs mit freiem Oberkörper am Klettern. Christoph Lorenz guckt entspannt zu und zieht an der Zigarette. Wo heute Boulderfelsen und Volleyballfelder sind, hat er mal schwimmen gelernt. „Ein bisschen jedenfalls“, sagt er und grinst. Als er jung war, standen dort die beiden Schwimmbecken des 1951 errichteten Friesen-Schwimmstadions. Steinsäulen sind die einzige Erinnerung daran. 1999 rollten Bagger an, die Bausubstanz war marode, und das Areal im Nordosten wurde in Anlehnung an den ursprünglichen Zustand hergerichtet.

Christoph Lorenz wurde 1959 im Klinikum im Süden des Parks geboren und wuchs im Kiez auf.
Christoph Lorenz wurde 1959 im Klinikum im Süden des Parks geboren und wuchs im Kiez auf.Foto: Christoph Spangenberg

Daneben, an der Ecke zur Landsberger Allee, wartet das SEZ darauf, irgendwann eine neue Zukunft zu bekommen. Nach der Wende verfiel das einst größte Sportzentrum der DDR, nun ist es teilweise verwaist, der Investor droht mit Abriss. Christoph Lorenz weiß das. Das hier ist seine Heimat, er wurde 1959 im Klinikum im Süden des Parks geboren, wuchs im Kiez auf. Nun, er hat ein Bein verloren und sitzt im Rollstuhl, lebt er in einem Seniorenheim an der Danziger Straße. Mehrmals in der Woche rollt er durch den Park. „Ich fahre immer kurze Stücke, dann rauche ich eine“, sagt er. Auf den Ausflügen findet er neue Freunde. Ein Pärchen habe ihm zum Eis eingeladen, ein Mann schob ihn die Anhöhe hinauf. Am liebsten spielt er mit Kindern. „Weil die auf Augenhöhe sind.“

5 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben