Volkspark Lichtenrade : Ein bisschen Gras muss sein

Anwohner legten 1979 den Volkspark Lichtenrade an – und pflegen ihn seither. Dafür gab es jetzt einen Preis.

Stefan Jacobs

BerlinBisher hieß es, der Verein "Lichtenrader Volkspark" sei einmalig in Berlin. Der Vorsitzende Wolfgang Spranger möchte das aber dahingehend korrigieren, "dass wir sogar europaweit einmalig sind". Eine Doktorandin, die über Bürgerbewegungen für öffentliches Grün promoviert hat, habe das ermittelt.

Spranger wirkt nicht besonders überrascht, dass sein Verein jetzt vom äußersten südlichen Stadtrand ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt ist: Für Dienstagabend waren er und seine Mitstreiter ins Rote Rathaus geladen, um von Umweltsenatorin Katrin Lompscher (Linke) den Umweltpreis des BUND entgegenzunehmen, inklusive Laudatio von Klaus Wowereit (SPD).

Als junger Bezirkspolitiker in Tempelhof war der heutige Regierende selbst manchmal hier, wo in den 70ern ein Plattenbau nach dem anderen in die Höhe wuchs - bis es den Alteingesessenen zu bunt wurde mit dem Grau. Sie konnten ja nicht raus ins Grüne, die Mauer hielt sie fern vom Umland. 1979 gründeten sie eine Bürgerinitiative und bepflanzten eine Brache mit ausrangierten Weihnachtsbäumen. "Die ersten Pflanzlöcher wurden mit der Brechstange gemacht", sagt Spranger. Während die ersten Bäume im Bauschutt-Lehm-Boden gediehen, wurden weitere gepflanzt und ein Verein gegründet, der das gut 50 000 Quadratmeter große Areal nach langem Hin und Her pachten konnte. Rund 80 Mitglieder kümmerten sich ums Grün, die Amerikaner schoben mit Raupen freundlicherweise einen Hügel als Höhepunkt des neuen Parks zusammen. Und die Bayern spendeten Bänke.

Ach ja, die Bayern. Der Landkreis Cham sei eine schöne Urlaubsgegend, sagt Spranger, weil er das erstens wirklich findet und zweitens im Interesse des Parks erwähnen muss. Seit 25 Jahren kurbeln die Lichtenrader den Tourismus im Bayrischen Wald an - und werden von dort mit Spenden belohnt. Auch die alljährlich vor dem Tempelhofer Rathaus aufgestellten Christbäume sind dieser Patenschaft zu verdanken. "Vitamin B ist bei uns alles", sagt Spranger, während er den zweiten Hügel im Park erklimmt. Der ist mit etwa fünf Metern nur gut halb so hoch wie der andere und wurde Ende der 80er von einem befreundeten Bauunternehmer herangekarrt. Den Weg zum Gipfel wiederum halten ausgemusterte U-Bahn-Schwellen in Form. Wie die hierher kamen? Vitamin B.

Der Verein hat Nachwuchssorgen

Jeden Sonnabend um zehn treffen sich die bis zu 25 Aktiven zum Arbeitseinsatz am Werkhof in der Carl-Steffeck-Straße. Leider sind die fleißigen Vereinsmitglieder mit dem Park gealtert und haben Nachwuchssorgen. Auch jeder Mitgliedsbeitrag ist gern gesehen, denn Werbung nach dem Motto: "Dieser immergrüne Rasen wird ihnen präsentiert von den Wasserbetrieben" ist einem gemeinnützigen Verein nicht erlaubt. Vielleicht bringt der Umweltpreis ja einen Schub. Gut wär's, denn langsam müssten auch die 1979er Weihnachtsbäume ausgelichtet werden, damit der Volkspark nicht zum Urwald wird.

Der Verein erhält den Preis in der Kategorie Umweltengagement. Der Kinder- und Jugend-Preis geht an die Umwelttheatergruppe der Grundschule im Grünen, der für Wirtschaft an die Howoge für ein Niedrigenergie-Hochhaus in Lichtenberg.


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