Berlin : Voll das Leben

-

VON TAG ZU TAG

David Ensikat über das Buch einer Dame, die Erich Honecker nicht mochte

Diego Maradona hat seine Memoiren so genannt wie Mahatma Ghandi die seinen, und selbst Marcel ReichRanicki ist kein anderer Titel eingefallen. Nun heißt auch das frisch erschienene Standardwerk über Lotte Ulbricht: „Mein Leben“. Eine richtige Autobiografie ist das nicht – allzu viel hat die Frau, die mit Walter Ulbricht einst Bett und Tischtennisplatte teilte, nie preisgegeben – dafür ist ihr Bild groß auf dem Buchumschlag und ein paar der schönsten Auskünfte stammen tatsächlich von der Dame selbst, die 93 Jahre alt geworden ist und bis zum Schluss die Parteiversammlungen der Pankower PDS belebt hat. So lässt sie uns wissen, dass ihr Mann sowieso zurücktreten wollte, nur dass der fiese Erich Honecker das niemandem weitergesagt habe und sich stattdessen immer als wackerer Ulbricht-Stürzler ausgegeben hat.

Dass sie die schwarzen Dessous, die sie auf der Leipziger Messe sah, für die Bürger ihres farbenfrohen Landes lieber bunter gestalten lassen wollte, erzählt im Buch allerdings ein Zeuge aus dem ZK. Auch das steht in „Mein Leben“ drin, obwohl die keusche Lotte selbst das nie erzählt hätte. Aber egal, Hauptsache ist doch, dass die Autobiografie vom ollen Honecker anders hieß: „Aus meinem Leben“.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar