Berlin : Voll von der Rolle: Skater suchen neue Wege

Bernd Schüler

Noch ist Winterruhe. Doch sobald es wärmer und der Asphalt vom Splitt befreit ist, werden Inline-Skater wieder zu Tausenden durch Berlin rollen: Wenn es nach Brigitte Kunze vom Verkehrsclub Deutschland ginge, könnten sich die Skater jeden Sonntag die Straßen mit Auto- und Radfahrern teilen. Johannes Verch von den Grünen würde sogar den Stadtring für sie sperren lassen. Und der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) will den Skatern am Wochenende die Straße des 17. Juni öffnen. Autos sollen drumherumfahren.

Dass man neue Wege finden muss, um dem Bewegungsdrang auf acht Rollen nachzukommen - darüber waren sich alle einig auf der Forumsveranstaltung, zu der der Landessportbund Berlin am Freitagabend über ein Dutzend Experten aus Vereinen und Behörden eingeladen hatte. Doch gerade in Berlin gibt es wenig Platz. Das beklagen nicht allein die drei Sportvereine, die "Speedskating" organisieren. Detlef Weller vom SC Charlottenburg hält die Trainingssituation seiner Aktiven für "katastrophal". Es fehlen geeignete Hallen. Dabei wären solche Übungsstätten gerade für die Jüngeren so wichtig, weil sie ein angstfreies Üben ermöglichen. Großen Nutzen erwartet Anke Roesler von der Sportjugend Berlin auch von einer Inline-Prüfung, wie sie in Baden-Württemberg Schule gemacht hat.

Wollen Skater nicht auf die über 100 Kilometer lange Skaterstrecke in Fläming in Brandenburg ausweichen, müssen sie in der Stadt eine der sechs tageweise gesperrten Straßen ansteuern. Für Bernd Holm von der Senatsverwaltung Schule, Jugend und Sport ist dieses Angebot schon ein Erfolg. Aber wie soll man auf den zum Teil sehr kurzen Straßen Ausdauersport betreiben können? Entsprechend groß war der Zulauf bei den Skater-Demos.

Dem eigenen Stil verpflichtet, wollen sich sich jedoch viele junge Skater gar nicht vor den Karren von Vereinskollektiven spannen lassen.

"Ich möchte mit den Skates einfach losfahren können, um ein Bier trinken zu gehen, das ist für mich Lebensqualität", sagt Stephan Imm. Doch schon die Gehwege werden ihm zu gefährlichen Hürden, solange sie immer noch mit Pflastersteinen bestückt sind. Und wenn man wie jetzt im Regierungsviertel an der Spree neue Wege anlegt, dann doch bitte nicht mit Sand. Den Vorschlag, die Straßen dort zeitweise den Skatern zu überlassen, beklatscht auch die Abgesandte aus dem Bundeskanzleramt.

Die meist diskutierte Forderung: Freigabe der Zone 30-Gebiete. Das reicht aber den wenigsten: Wie schnell wird es langweilig, wenn man immer nur die Straße rauf und runter fahren kann. Hans-Jürgen Frey von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung winkt allerdings ab: Laut Straßenverkehrsordnung haben Skater nichts auf der Fahrbahn zu suchen. Doch vielleicht wird das Angebot für Skater bald zu einem Faktor im Standortwettbewerb? Hamburg wird schon als skaterfreundliche gehandelt, auch Paris gilt als Vorbild: An der Seine werden regelmäßig Straßen gesperrt. Sogar eine Schnellstrasse war dort einen Monat lang ein Skaterparadies.

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