• Volle Discos und Moscheen - Nicht jeder hält sich an die Regeln der islamischen Fastenzeit

Berlin : Volle Discos und Moscheen - Nicht jeder hält sich an die Regeln der islamischen Fastenzeit

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Im Salon vier des Hotel Berlin am Lützowplatz hatten die Mitglieder der Islamischen Föderation den Saal festlich geschmückt. Blaue und graue Luftballons waren wie ein Band rund um die Decke angebracht. Und neben der deutschen und türkischen Fahne an der Wand hing auch die der Europäischen Union. Weil seit Donnerstag vergangener Woche für Moslems in Berlin der Fastenmonat Ramadan angefangen hat, lud der Verein am Dienstagabend Gäste zum Fastenbrechen-Essen, zum Iftar, ein. Politiker wie Ruprecht Polenz (CDU) und der einstige Justizminister Edzard Schmidt-Jortzig (FDP) waren der Einladung gefolgt und warben an diesem Abend für gegenseitiges Verständnis ebenso wie die Islamische Föderation, die den Glauben etwas strenger auslegt als andere. Vor Gericht hatte der Verein das Recht auf islamischen Religionsunterricht erkämpft und damit eine Diskussions-Lawine ausgelöst. Natürlich trugen die Gastgeberinnen Kopftücher und lange Gewänder, die Männer kamen im schwarzen Anzug.

Für etwa 200 000 Moslems in Berlin gilt bis zum 8. Januar die Fastenzeit. Doch nicht jeder hält sich so streng an diese religiöse Regel. "Solche Moslems wird es wohl auch geben", stellte kürzlich zum Beispiel eine fromme Berliner Türkin etwas enttäuscht fest, als sie im türkischen Fernsehen einen Spot sah, der für ein Silvesterfest warb. Für sie steht fest, dass sie diesen Tag ruhig und besinnlich verbringen wird, wie es ihr ihre Religion vorschreibt. Vom Sonnenaufgang (gegen sechs Uhr) bis zum Sonnenuntergang (gegen 16 Uhr) dürfen ihre Lippen nichts und niemanden berühren. Und auch sonst müssen die Menschen in dieser Zeit besonders fromm sein (beten, mildtätig sein, nicht lügen oder heucheln), weil die begangenen Sünden für den Gläubigen mehrfach zählen. Ausschweifende Feste, bei denen Männer und Frauen zusammen Alkohol trinken, laute Musik hören und vielleicht auch noch tanzen, erlaubt die Religion ohnehin nicht, aber gerade in dieser Zeit sind solche Feste eine Todsünde.

Nun müsste man meinen, die Moscheen quollen in dieser Zeit über und die Orte des Amüsements blieben geschlossen. Aber das ist nicht der Fall. Gewiss werden Gebetshäuser gut besucht sein, weil auch die guten Taten mehrfach zählen. Dennoch werden Kneipen und Discotheken, wo sich junge Menschen treffen, die ganze Zeit nicht über Gästemangel klagen. Am 8. Januar beginnt dann das dreitägige Ramadanfest, das selbst weniger Gläubige mit einer ähnlichen Freude zelebrieren, wie Christen das Weihnachtfest. In Berlin jedoch fehlt vielen das Festgefühl, das entsteht, wenn das ganze Land feiert. In den meisten Familien wird deshalb in kleinem Rahmen oder fast gar nicht gefeiert, vor allem, wenn die eigenen Kinder kaum Bezug zu Ramadan haben. So kommt es vor, das manche extra zum Fest in ihr Herkunftsland fliegen, um das Ramadan-Gefühl noch einmal oder wieder einmal zu erleben.

Bedingt durch die islamische Zeitrechnung beginnt der Fastenmonat immer etwas früher als ein Jahr zuvor. So kommt es, dass die heiligsten Tage der Moslems zuweilen mit den heiligsten Tagen der Christen zusammentreffen. Während im vergangenen Jahr beispielweise der erste Tag der Fastenzeit auf Heilig Abend fiel, begann für praktizierende Moslems die Zeit der Enthaltsamkeit in diesem Jahr bereits am 9. Dezember.

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